iManagement

Ist eine torkelnde Biene zwangsläufig betrunken?

Bienen torkeln in der Nähe beschädigter Früchte und können nur mühsam abfliegen. Welche Aussagen sind richtig?

Mehrere Antworten sind richtig.

  1. Diese Anzeichen genügen, um eine Ethanolvergiftung zu diagnostizieren.
  2. Experimente zeigen, dass Ethanol die Motorik und bestimmte Lernleistungen von Bienen beeinträchtigen kann.
  3. Die Ethanolmenge in der Honigblase entspricht zwangsläufig der bereits vom Körper aufgenommenen Dosis.
  4. Krankheiten, Pestizide, Kälte oder ein Energiedefizit können ähnliche Anzeichen hervorrufen.
  5. Ein alkoholhaltiger Köder verhindert zuverlässig, dass Bienen ihn aufnehmen.
  6. Die besuchte Nahrungsquelle, der zeitliche Ablauf und das Ausmass der Störungen sollten dokumentiert werden. Sind viele Bienen betroffen, wiederholen sich die Episoden oder wird das Volk geschwächt, sind die zuständigen Bienengesundheitsdienste zu kontaktieren.

Richtige Antworten: 2, 4 und 6.

Warum?

  • 1 — Falsch. Torkeln und Flugschwierigkeiten sind unspezifisch. Die Nähe zu einer beschädigten Frucht beweist weder die Aufnahme von Ethanol noch dessen Rolle bei den beobachteten Störungen.
  • 2 — Richtig. Experimente mit Apis mellifera zeigen Auswirkungen auf die Motorik und bestimmte Lernleistungen. Sie hängen unter anderem von Dosis, Expositionsdauer und gemessenem Endpunkt ab. Eine allgemeingültige Rauschschwelle ergibt sich daraus nicht.
  • 3 — Falsch. Die Honigblase enthält die transportierte Nahrung. Ihr Inhalt allein zeigt nicht, welche Ethanolmenge bereits in Gewebe oder Hämolymphe gelangt ist.
  • 4 — Richtig. Diese Ursachen können ähnliche Anzeichen hervorrufen und teilweise zusammenwirken. Insbesondere die chronische Paralyse ist eine mögliche Ursache. Der Ausschluss anderer Ursachen allein bestätigt Ethanol nicht.
  • 5 — Falsch. Alkohol garantiert nicht, dass ein Köder gemieden wird. Bienen können bestimmte ethanolhaltige Zuckerlösungen aufnehmen. Improvisierte Fallen können zudem Nichtzielinsekten schädigen.
  • 6 — Richtig. Zusätzlich sollten Witterung, Zahl der betroffenen Völker und bekannte Behandlungen im Umfeld festgehalten werden. Die zuständigen Fachstellen legen die erforderlichen Probenahmen und Analysen fest.

Was man verstehen sollte

Um Störungen auf eine natürliche Ethanolexposition zurückzuführen, müssen die tatsächlich besuchte Nahrungsquelle, die Aufnahme, die innere Exposition und die beobachtete Wirkung miteinander verknüpft werden. Der blosse Alkoholnachweis in Nektar oder Saft genügt nicht.

In den für den Artikel ausgewerteten Quellen bildet keine identifizierte Studie diese Kette bei der Honigbiene unter natürlichen Bedingungen vollständig ab. Das beweist nicht, dass es das Phänomen nicht gibt; seine Häufigkeit bleibt unbekannt.

Die Annahme einer alkoholhaltigen Zuckerlösung belegt keine spezifische Anziehung durch reines Ethanol. In der Praxis helfen der Verzicht auf vergorenen Futtersirup und saubere Futtergeschirre, vermeidbare Belastungen zu verhindern.

Merke

Eine torkelnde Biene zeigt ein abklärungsbedürftiges Anzeichen, keine gesicherte Alkoholwirkung. Beobachten, dokumentieren und erhebliche Episoden fachlich beurteilen lassen hilft, die Ursache ohne vorschnelle Diagnose zu suchen.

Weiterführende Artikel

► Können Bienen betrunken sein?

► Chronische Paralyse

► Merkblatt: 3.1.2 Bienenvergiftung

► Merkblatt: 3.1.1 Protokollblatt Bienenvergiftungen

Zurück zur Übersicht