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November am Bienenstand

Im November geht der Bienenstock allmählich in die Winterruhe über, doch nicht alle Völker sind zu diesem Zeitpunkt bereits brutfrei. Das Wichtigste ist, die Bienen zu beobachten, ohne sie zu stören, die Bienenstöcke zu sichern und die Vorräte zu kontrollieren. Die Entscheidung für eine Winterbehandlung gegen die Varroamilbe richtet sich nicht nach einem festen Datum, sondern erst, wenn das Fehlen von verdeckelter Brut bestätigt ist.

1. Die Prioritäten des Monats

  • Die Völker beobachten, ohne sie zu stören, und Öffnungen einer präzisen Fragestellung vorbehalten.
  • Die Beuten gegen Nagetiere, Wasser, Wind und die ersten Schneefälle sichern.
  • Vor der Winterbehandlung gegen Varroa das tatsächliche Fehlen verdeckelter Brut überprüfen.
  • Das Gewicht der Beuten verfolgen, ohne automatisch mit Sirup zu füttern.
  • An milden Tagen auf Räuberei und auf die Asiatische Hornisse achten.

2. November am Bienenstand: der Leitgedanke des Monats

Ziel
Den Eintritt in die Überwinterung begleiten, ohne die Völker unnötig zu stören, und zugleich den richtigen Zeitpunkt für die noch unerlässlichen Eingriffe erkennen.

Im November nimmt die Aktivität in vielen Bienenständen stark ab, doch der Kalender allein genügt nicht, um den Zustand der Völker zu beschreiben. Je nach Höhenlage, Exposition, Witterung und der Eigendynamik jedes Volkes kann noch Brut vorhanden sein.

Der Leitgedanke des Monats besteht deshalb darin, unnötige Handgriffe zu vermeiden, mehr zu beobachten und eine Beute nur dann zu öffnen, wenn eine wichtige Entscheidung davon abhängt. Der November kann den Beginn des Zeitfensters für die Winterbehandlung gegen Varroa markieren, doch diese Behandlung darf nicht allein deshalb ausgelöst werden, weil ein Datum erreicht ist.

Die Einwinterung sollte vor dem Einsetzen der ersten anhaltenden Kälte vorbereitet sein. Im November geht es vor allem darum, zu überprüfen, ob die getroffenen Massnahmen den realen Bedingungen des Bienenstandes weiterhin angemessen sind.

Die hier vorgeschlagenen Anhaltspunkte beziehen sich auf ein gemässigtes mitteleuropäisches Klima. Sie sind an die Höhenlage, an die Witterung des jeweiligen Jahres und an den tatsächlichen Zustand jedes Volkes anzupassen.

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3. Vorrangige Arbeiten des Monats

3.1 Beobachten, ohne zu stören

Ziel
Eine ungewöhnliche Entwicklung erkennen, ohne die Wintertraube zu stören oder die Völker routinemässig zu öffnen.

Worauf zu achten ist
Die Völker untereinander vergleichen: Aktivität an einem milden Tag, freies Flugloch, Totenfall vor der Beute, ungewöhnliche Unruhe, Kämpfe, kriechende oder flugunfähige Bienen. Auf der Windel Lage und Breite der Gemüll-Streifen, Zelldeckel, Bienenreste und allfällige Spuren von Nagetieren beobachten.

Konkrete Massnahmen
Einen kurzen und ruhigen Rundgang am Bienenstand machen. Ein durch Laub, Gras, Schnee oder tote Bienen verstopftes Flugloch vorsichtig freilegen. Punktuell eine saubere Windel einsetzen, wenn die Gemülldiagnose eine präzise Frage beantworten soll, und die Beobachtungen anschliessend auf der Stockkarte festhalten.

Zu beachten
Zum Reinigen des Fluglochs kein Werkzeug in die Beute einführen: Dies könnte die Wintertraube stören und einen unnötigen Verbrauch der Futtervorräte auslösen. Äussere Anzeichen leiten die Beurteilung, beweisen aber für sich allein weder die Brutfreiheit noch die Anwesenheit der Königin oder ausreichende Futtervorräte.

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3.2 Die Überwinterung sichern und die Isolation überlegt einsetzen

Ziel
Das Volk gegen Eindringlinge, Wasser und Witterung schützen, ohne die Beute abzuschliessen oder ihr Inneres verspätet umzugestalten.

Worauf zu achten ist
Die Stabilität der Unterlagen, die Befestigung der Deckel, die Regendichtigkeit, der Wasserablauf, Äste, die gegen die Beuten schlagen können, der Schutz gegen Nagetiere und die für den Beutentyp vorgesehene Luftzirkulation. Ebenfalls prüfen, ob das Isoliermaterial trocken bleibt.

Konkrete Massnahmen
Die Deckel sichern, bedrohliche Äste entfernen, den Bewuchs vor den Fluglöchern freischneiden und die Mäusegitter kontrollieren. Den Wasserablauf überprüfen und, sofern die Bauweise der Beute dies vorsieht, deren leichte Neigung nach vorne.

Eine trockene Isolation über dem Volk kann bestimmte Wärmeverluste begrenzen. Ein isolierendes Schied kann bei einem Jungvolk, einem kleinen, aber überlebensfähigen Volk oder einem offensichtlich überdimensionierten Volumen sinnvoll sein, insbesondere an einem kalten, feuchten oder den vorherrschenden Winden und der Witterung ausgesetzten Bienenstand.

Zu beachten
Die Isolation ersetzt weder eine ausreichende Volksstärke noch gesunde Bienen noch zugängliche Futtervorräte. Sie darf die vorgesehene Luftzirkulation nicht blockieren, kein Wasser zurückhalten und nicht feucht werden. Das Beutenvolumen hätte normalerweise vor dem Eintritt in die Überwinterung angepasst werden müssen. Im November werden Waben weder entnommen noch umgestellt, ohne dass ein präziser Grund vorliegt: Ein später Eingriff ist nur gerechtfertigt, um einer unmittelbaren Gefahr für das Volk vorzubeugen.

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4. Gesundheit der Völker / Varroa / Asiatische Hornisse

Ziel
Eine echte Phase ohne verdeckelte Brut nutzen, um die verbleibende Varroapopulation stark zu reduzieren, und jene gesundheitlichen Anzeichen erkennen, die eine fachliche Beurteilung erfordern.

Worauf zu achten ist
Die Vorgeschichte der Sommerbehandlungen und der bereits durchgeführten Kontrollen beiziehen. Die jüngste Witterung, die Aktivität am Flugloch und die auf der Windel sichtbaren Hinweise berücksichtigen, ohne daraus automatisch die Brutfreiheit des Volkes abzuleiten. Eine kleine Fläche verdeckelter Brut kann noch einen Teil der Varroamilben schützen.

Konkrete Massnahmen
Das zugelassene Tierarzneimittel, das Material und die Schutzausrüstung entsprechend der gewählten Methode vorbereiten. Vor der Behandlung das Fehlen verdeckelter Brut überprüfen. Eine kurze und gezielte Öffnung kann nötig sein: Es handelt sich um eine Diagnose und nicht um eine vollständige Durchsicht.

Behandeln, sobald der Zustand des Volkes und die Anwendungsbedingungen gegeben sind, unter strikter Einhaltung des aktuellen Merkblatts und der Packungsbeilage des Produkts. Nach der Behandlung den Milbenfall während vierzehn Tagen kontrollieren. Gemäss den Schweizer Empfehlungen rechtfertigt ein Fall von mehr als 500 Milben einen zweiten Eingriff durch Sprühen oder Verdampfen; eine Träufelbehandlung darf nicht wiederholt werden.

Zu beachten
Nicht an einem festen Datum behandeln, ohne die Brut zu überprüfen. Keine Dosierung und keine Eigenzubereitung improvisieren. Die Winterbehandlung reduziert jene Varroapopulation, die den Befall im Frühjahr neu aufbauen würde, sie behebt jedoch die Schäden nicht, welche die Winterbienen während ihrer Entwicklung bereits erlitten haben.

Weitere gesundheitliche Anzeichen
Varroa bleibt im November das wichtigste gesundheitliche Thema, doch bestimmte Auffälligkeiten dürfen nicht übergangen werden. Ausgeprägte Durchfallspuren, kriechende oder zitternde Bienen, haarlose Bienen, Bienen mit deformierten oder unvollständig entfalteten Flügeln sowie ein ungewöhnlicher Totenfall können auf ein gesundheitliches Problem hinweisen, ohne für sich allein eine Diagnose zu erlauben.

Bei einer gezielten Brutkontrolle sind ein lückenhaftes Brutbild, eingesunkene oder löchrige Zelldeckel, auffällige Larven oder ein ungewohnter Geruch Warnsignale. Bei Verdacht auf Faulbrut weder Bienen noch Waben noch Material verstellen und sofort den Bieneninspektor kontaktieren.

Asiatische Hornisse
Im November endet die Aktivität der Asiatischen Hornisse nicht zwangsläufig von einem Tag auf den anderen: Bei milder Witterung können einzelne Tiere noch vor den Beuten jagen. Eine Muselière — ein vor dem Flugloch angebrachtes Schutzgitter zur Verringerung des Drucks durch die Asiatische Hornisse — kann nützlich bleiben, solange die Bienen fliegen und ein lokaler Beutedruck bestätigt ist. Nach dem Laubfall werden einzelne Nester besser sichtbar: beobachten, fotografieren oder filmen und die Beobachtung anschliessend auf frelonasiatique.ch melden, ohne systematisches Abfangen und ohne direkten Eingriff am Nest.

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5. Futtervorräte und aktuelle Ressourcen

Ziel
Ein Volk erkennen, das tatsächlich durch Futtermangel bedroht ist, ohne den November zu einem Monat systematischer Fütterung zu machen.

Worauf zu achten ist
Das aktuelle Gewicht der Beute und vor allem seine Entwicklung gegenüber den vorangegangenen Kontrollen. Ähnlich ausgerüstete Beuten miteinander vergleichen. Die verlängerte Herbstaktivität, allfällig vorhandene Brut und die wahrscheinliche Verteilung der Vorräte rund um die Wintertraube berücksichtigen.

Konkrete Massnahmen
Die Beuten stets auf dieselbe Weise anheben oder wägen, um eine Tendenz zu verfolgen. Wird ein kritisches Gewicht vermutet, den Befund vor einem Eingriff bestätigen. Bei tatsächlichem Bedarf kann eine gesunde, in Reichweite der Bienen platzierte Futterwabe oder direkt über der Wintertraube zugänglicher Futterteig eine Notmassnahme darstellen, je nach Beutentyp und geltenden Empfehlungen.

Zu beachten
Eine schwere Beute bietet nicht zwangsläufig für die Wintertraube zugängliche Vorräte. Umgekehrt genügt der Eindruck von Leichtigkeit nicht, um ohne weitere Überprüfung zu öffnen und Waben zu verstellen. Im November ist die Flüssigfütterung kein normaler Vorgang zum Aufbau der Vorräte mehr.

Die äusseren Ressourcen werden selten und unregelmässig. Ein Flugtag oder einige späte Einträge dürfen nicht als Möglichkeit gedeutet werden, ungenügende Vorräte auf natürlichem Weg wieder aufzubauen.

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6. In der Werkstatt / Organisation

Ziel
Die Verlangsamung am Bienenstand nutzen, um das Material zu unterhalten, die Saison zu dokumentieren und die winterlichen Eingriffe korrekt vorzubereiten.

Das nicht mehr benötigte Material reinigen, bei Bedarf desinfizieren, instand stellen und versorgen. Die eingelagerten Waben sortieren, die Wachsmotte überwachen und beschädigte Waben gemäss dem vorgesehenen Wachskreislauf ausscheiden.

Die Imkerkombi, die wiederverwendbaren Handschuhe und den Schleier waschen. Das für die Winterbehandlung bestimmte Material, die Schutzausrüstung, den Zustand der Geräte und die Haltbarkeitsdaten der Produkte kontrollieren.

Die Stockkarten und das Behandlungsregister vervollständigen: Daten, Produkte, gesundheitliche Beobachtungen und getroffene Entscheide. Es ist zudem ein guter Zeitpunkt, um eine kurze Saisonbilanz zu ziehen und die wirklich nötigen Reparaturen oder Anschaffungen vorzubereiten.

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7. Was jetzt nicht gemacht wird

Ziel
Die Ruhe bewahren, welche die Völker brauchen, und späte Korrekturen vermeiden, die sie eher stören als ihnen helfen.

  • Eine Beute wird weder aus Neugier noch für eine vollständige Durchsicht geöffnet. Jede Öffnung muss eine präzise Frage beantworten, so kurz wie möglich bleiben und in einem Witterungsfenster erfolgen, das mit dem vorgesehenen Eingriff vereinbar ist, ohne Regen und ohne starken Wind.
  • Die Brutfreiheit wird nicht allein aus dem Kalender, aus einem Frost oder aus dem Fehlen von Zelldeckeln auf der Windel abgeleitet.
  • Es wird keine routinemässige Flüssigfütterung begonnen, um eine unsichere Einschätzung der Vorräte verspätet auszugleichen.
  • Es wird nicht systematisch vereinigt, umgeweiselt oder werden Waben umgestellt. Strukturelle Korrekturen, die vor der Einwinterung nicht vorgenommen wurden, sollen ohne präzise Notwendigkeit nicht mehr versucht werden.
  • Die Beute wird nicht luftdicht abgedichtet: Die Isolation muss trocken bleiben und die für den Beutentyp vorgesehene Luftzirkulation respektieren.
  • Die Asiatische Hornisse wird nicht systematisch abgefangen, und an einem verdächtigen Nest wird nie selbst eingegriffen: beobachten, fotografieren und melden.

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Autor
Serge Imboden; Claude Pfefferlé et Gianluca Gatti
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