Eine stark soziale Immunität
Wie jedes Lebewesen ist auch die Biene Beute verschiedener Parasiten und pathogener Keime: Jede Kolonie beherbergt ein breites und vielfältiges Spektrum an Mikroben. Dennoch ist nicht jede Kolonie deshalb krank! Das liegt daran, dass die Biene – wie jedes Lebewesen – im Laufe der Evolution unterschiedliche Mechanismen entwickelt hat, um ihnen zu widerstehen: man spricht von Immunität. Die Biene verfügt, ebenso wie wir, über ein immunologisches Abwehrsystem, jedoch mit einigen Unterschieden.
Die soziale Immunität der Honigbiene – individuelle und kollektive Abwehrmechanismen
Wie alle Lebewesen sind Honigbienen zahlreichen Parasiten und Krankheitserregern ausgesetzt. Obwohl jede Kolonie eine große Vielfalt an Mikroorganismen beherbergt, wird sie nicht zwangsläufig krank. Der Grund liegt in einem komplexen Immunsystem, das bei Bienen sowohl individuelle als auch soziale Mechanismen umfasst.
Auf individueller Ebene verfügen Bienen über eine angeborene Immunabwehr. Sie besitzen Immunzellen in der Hämolymphe sowie Abwehrproteine wie die Phenoloxidase, die an der Melanisierung beteiligt ist. Diese Reaktion kann Krankheitserreger einkapseln und erklärt das charakteristische Schwarzwerden kranker Bienen, etwa bei Virusinfektionen. Im Vergleich zu anderen Insekten verfügt die Honigbiene jedoch über weniger Gene der individuellen Immunabwehr. Zudem nimmt die individuelle Immunleistung mit dem Alter ab, insbesondere bei Sammelbienen.
Diese scheinbare Schwäche wird durch die soziale Lebensweise kompensiert. In der Kolonie existiert eine ausgeprägte „soziale Immunität“. Sie beginnt mit der räumlichen Organisation des Nestes: Junge, wenig exponierte Arbeiterinnen pflegen Brut und Königin im Zentrum, während ältere, stärker gefährdete Sammelbienen sich eher am Rand aufhalten. Weitere Verhaltensweisen dienen der Hygiene, etwa das Entfernen von toten Bienen und Abfällen oder das Bewachen des Fluglochs.
Ein wichtiger Bestandteil der sozialen Immunität ist die Nutzung antiseptischer Substanzen. Propolis wirkt antibakteriell, antiviral und antifungal und verbessert nachweislich die hygienischen Bedingungen im Stock. Studien zeigen, dass Bienen in propolisreichen Beuten eine geringere individuelle Immunaktivierung benötigen, was Energie spart. Auch Honig besitzt antimikrobielle Eigenschaften durch hohen Zuckergehalt, Säure und die Bildung von Wasserstoffperoxid. Pollen wird durch Milchsäuregärung zu Bienenbrot konserviert, wobei „gute“ Bakterien pathogene Keime unterdrücken.
Weitere kollektive Abwehrmechanismen sind gegenseitige Reinigung (Grooming), hygienisches Verhalten durch das Erkennen und Entfernen kranken oder toten Brutmaterials sowie eine Art „Fieberreaktion“. Dabei erhöhen Bienen aktiv die Bruttemperatur, um die Entwicklung von Krankheitserregern zu hemmen; im Extremfall töten sie Räuber durch gemeinsames Überhitzen.
Diese Abwehrmechanismen sind jedoch energieaufwendig. Eine gute Immunität setzt daher ausreichende und vielfältige Nahrung voraus, insbesondere Pollen. Stress, Mangelernährung oder Belastungen wie Varroa schwächen die Abwehr und begünstigen opportunistische Krankheiten.
Fazit: Die Gesundheit eines Bienenvolkes beruht weniger auf der Abwesenheit von Keimen als auf der Wirksamkeit individueller und vor allem sozialer Abwehrmechanismen. Umweltqualität und gute imkerliche Praxis sind entscheidend für eine stabile Bienengesundheit.
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