Die Honigernte
Von der Honigzarge bis zum verschlossenen Glas bestimmt jeder Schritt der Ernte die Qualität des Endprodukts. Dieser Artikel folgt der gesamten Prozesskette : Reife erkennen, sauber extrahieren, Kristallisation steuern und richtig abfüllen. Fehler am Anfang lassen sich später kaum mehr korrigieren — deshalb wird jede Entscheidung mit ihren praktischen Konsequenzen erklärt. Ein Artikel für Imker, die verstehen wollen warum, nicht nur wie.
1. Zum richtigen Zeitpunkt ernten
1.1 Warum der Erntezeitpunkt alles bedingt
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Ziel |
Die Honigernte wird oft als Höhepunkt der Saison erlebt. Sie ist aber auch der Moment, in dem zu rasch getroffene Entscheidungen – zu früh ernten, Honigzargen unterschiedlicher Reife mischen, Witterungsbedingungen ignorieren – die Qualität des Endprodukts und seine langfristige Stabilität unmittelbar beeinflussen.
Honig ist ein natürliches, hygroskopisches und gegenüber Witterung, Temperatur und Lagerung empfindliches Produkt. Nach dem Schleudern setzt er die biologische Reifung, die im Bienenvolk stattfindet, nicht fort. Die Gärung hängt insbesondere von der Wasseraktivität ab, die wiederum mit dem Wassergehalt, der Zusammensetzung des Honigs und dem Vorhandensein von Hefen zusammenhängt. Ein hoher Wassergehalt erhöht daher das Gärungsrisiko, ist für sich allein jedoch keine Garantie für Stabilität.
Die Honigqualität hängt aber nicht nur vom richtigen Erntezeitpunkt ab. Sie hängt auch von einer strikten Trennung zwischen dem Honigkreislauf, dem Brutkreislauf und dem Fütterungskreislauf ab. Nicht sauber unterschiedene Honigwaben, Brutwaben oder Futterwaben können die Konformität, Rückverfolgbarkeit und Qualität des Produkts beeinträchtigen, selbst wenn der Honig reif ist und sauber geschleudert wurde.
Dieser Artikel begleitet den Imker von der Honigzarge, die noch auf dem Stock steht, bis zum verschlossenen Glas, das zum Verkauf oder zur Weitergabe bereitsteht.
1.2 Die Reife erkennen: drei Werkzeuge, ein einziges Ziel
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Ziel Verdeckelung, Spritzprobe und Refraktometer sind nicht gleichwertig. Sie liefern ergänzende Informationen. Das Refraktometer schätzt den Wassergehalt anhand des Brechungsindex und liefert die praktisch wichtigste Messung für die Entscheidung. |
Die Verdeckelung ist das erste Signal. Ein hoher Anteil verdeckelter Zellen – in der Praxis häufig zwei Drittel oder mehr – deutet im Allgemeinen auf einen weiter fortgeschrittenen Reifegrad des Honigs hin. Das ist jedoch keine absolute Garantie: Bei starker Tracht können die Bienen noch zu feuchten Honig verdeckeln, wenn der Eintrag sehr rasch erfolgt. Die Verdeckelung ist daher ein erster Entscheidungsfilter, der bei unsicherem Wassergehalt durch eine Messung ergänzt werden sollte.
Die Spritzprobe ist eine rasche Kontrolle an der nicht verdeckelten Wabe. Man hält die Wabe waagerecht und schlägt sie ruckartig nach unten. Treten Tropfen aus, ist der Honig noch zu dünnflüssig und muss vor jeder Ernte kontrolliert werden. Läuft nichts aus, deutet dies auf eine dickere Konsistenz hin, erlaubt aber allein keine Garantie für einen zulässigen Wassergehalt.
Das Refraktometer schätzt den Wassergehalt anhand des Brechungsindex und ist die praktische Referenz. Es muss korrekt kalibriert sein, und die Messung muss für die Charge repräsentativ sein: Proben von mehreren Waben derselben Honigzarge nehmen, nicht nur von den schönsten. Eine einzige Messung an einer einzigen Wabe repräsentiert nicht unbedingt die gesamte Zarge.
Wichtig: Eine Wabe kann aus Sicht des Wassergehalts «erntereif» erscheinen, ohne für den Kreislauf des Speisehonigs zulässig zu sein, wenn es zu einer Vermischung mit dem Brutkreislauf oder dem Fütterungskreislauf kommt. Die Reife ersetzt also nicht das Erfordernis der Trennung der Waben.
1.3 Die drei Schwellen des Wassergehalts: nicht verwechseln
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Ziel In der imkerlichen Fachliteratur kursieren drei Werte. Sie beantworten nicht dieselbe Frage und gelten nicht in denselben Situationen. |
| Ebene | Wert | Was dieser Wert bedeutet |
|---|---|---|
| Gesetzlicher Grenzwert (Schweiz, gewöhnlicher Honig) | 20 % | Darüber hinaus darf der Honig nicht in Verkehr gebracht werden. Es handelt sich um eine Grenze, die nicht überschritten werden darf, nicht um ein Ziel, das angestrebt werden soll. |
| Label-Standard (apisuisse) | 18,5 % maximal | Anforderung der Qualitätsprogramme mit Label. Sie bietet eine grössere Konservierungsmarge, ist aber für sich allein keine allgemeine Garantie für Stabilität oder Sicherheit. |
| Qualitätsziel (Agroscope / Praxis) | < 17,5 % | Empfohlenes Qualitätsziel mit erhöhter Marge gegenüber dem Gärungsrisiko unter normalen Lagerbedingungen. |
Praxishinweis: 20 % als Ernteziel anzusetzen, ist ein häufiger Fehler. Der gesetzliche Grenzwert ist eine Grenze, die nicht überschritten werden darf. In der Praxis lässt eine Ernte mit einem Zielwert von unter 18 % eine nützliche Sicherheitsmarge, insbesondere weil der Honig während des Schleuderns und der Lagerung Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen kann. Der Wassergehalt bleibt jedoch ein praktischer Indikator: Die Stabilität hängt auch von der Zusammensetzung, der Hefebelastung und den Lagerbedingungen ab.
1.4 Wetterfenster und Umgebungsfeuchte
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Ziel Ein im Stock gut ausgereifter Honig kann bei der Ernte unter ungünstigen Bedingungen an Wassergehalt zunehmen. Dieses Risiko wird oft unterschätzt. |
Honig ist hygroskopisch: feuchter Luft ausgesetzt, nimmt er Wasser auf. Offene Waben in einer Umgebung mit hoher relativer Luftfeuchtigkeit – beim Abnehmen der Honigzargen, beim Transport oder in einem nicht klimatisierten Schleuderraum – können einen messbaren Anstieg ihres Wassergehalts erfahren.
Einige praktische Anhaltspunkte:
- Nicht während oder unmittelbar nach einer längeren Regenperiode ernten.
- Geschleuderte Waben nicht länger als nötig der Umgebungsluft aussetzen.
- In einem möglichst trockenen Schleuderraum arbeiten: Eine relative Luftfeuchtigkeit in der Grössenordnung von 50–60 % kann als praktischer Anhaltspunkt dienen, ohne eine universelle Grenze darzustellen.
- Honigzargen und Gebinde so schnell wie möglich verschliessen.
Auch die Wahl der Tageszeit kann eine Rolle spielen: Je nach lokalem Klima weist der späte Vormittag bei trockenem, sonnigem Wetter häufig eine geringere relative Luftfeuchtigkeit auf als der frühe Morgen oder der Abend. Dieser Anhaltspunkt ersetzt nicht die Beobachtung der tatsächlichen Bedingungen.
1.5 Die Honigzargen von den Bienen befreien: drei Methoden
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Ziel Keine Methode ist grundsätzlich überlegen. Die richtige Wahl hängt von der Anzahl der Völker, der verfügbaren Zeit, dem Wetter und der Aktivität der Bienen ab. |
| Methode | Vorteile | Zu beachten |
|---|---|---|
| Bienenflucht (am Vortag eingesetzt) |
Wenig Stress für die Bienen. Honigzarge am nächsten Tag praktisch leer. Wenig direkte Manipulation. | Erfordert zwei Gänge zum Bienenstand. Bei feuchter Witterung oder wenn die Honigzargen lange dem Stockklima entzogen sind, können die Waben im Kontakt mit der Umgebungsluft Feuchtigkeit aufnehmen. So bald wie möglich abnehmen: Die Dauer hängt von den Bedingungen ab und stellt keine universelle Frist dar. |
| Abwischen oder Abstossen Wabe für Wabe | Sehr selektiv: erlaubt, nur die reifen Waben zu ernten. Ein einziger Gang genügt. | Mehr Manipulation, mehr Unruhe. Erhöhtes Räubereirisiko, wenn die Waben exponiert bleiben. Erfordert Erfahrung und Schnelligkeit. |
| Laubbläser | Schnell bei grossen Beständen. Wirksam. | Zusätzliches Material. Mehr Störung am Bienenstand. Weniger geeignet für kleine Bestände oder Bienenstände in der Nähe von Wohngebieten. |
Zusätzlicher Aufmerksamkeitspunkt: Beim Abnehmen jede Verwechslung zwischen Honigwaben, Brutwaben und Futterwaben vermeiden. Eine zur Ernte bestimmte Honigzarge muss in einem sauberen, klar abgegrenzten und eindeutig identifizierbaren Kreislauf bleiben. Geerntet und geschleudert werden nur brutfreie Honigwaben, die für den Honigkreislauf bestimmt sind.
In jedem Fall: abgenommene Honigzargen unverzüglich abdecken, Waben nicht der Umgebungsluft aussetzen und das Räubereirisiko kontrollieren, insbesondere in trachtarmen Zeiten.
1.6 Transport und Zwischenlagerung der Honigzargen
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Ziel Zwischen dem Moment, in dem die Honigzarge den Stock verlässt, und dem Zeitpunkt, in dem die Waben in die Schleuder gelangen, können mehrere klassische Fehler einen dennoch gut ausgereiften Honig beeinträchtigen. |
Häufige Fehler, die zu vermeiden sind:
- Honigzargen in einem geschlossenen Fahrzeug der Sonne aussetzen: Das Wachs der Waben kann weich werden, und der Honig altert durch die Hitze schneller.
- Honigzargen in einem feuchten Raum oder in der Nähe geruchsintensiver Produkte lagern: Der Honig nimmt Gerüche und Feuchtigkeit auf.
- Mehrere Tage bis zum Schleudern warten: Je länger die Wartezeit unter unkontrollierten Bedingungen ist, desto grösser sind die Risiken.
- Offene Honigzargen ohne Deckel stapeln: direkte Einladung zu Räuberei und Feuchtigkeitsaufnahme.
- Honigwaben gemeinsam mit Brutwaben oder Futterwaben transportieren oder lagern: das verwischt die Trennung der Verwendungszwecke und erhöht das Risiko einer falschen Zuordnung, Verunreinigung oder Kontamination.
- Dieselben Wannen, Kisten, Deckbretter oder Transportflächen nacheinander für Honigwaben und dann für Waben des Brutkreislaufs verwenden, ohne dazwischen zu reinigen.
Praxisregel: Die Waben rasch schleudern, vorzugsweise am Erntetag oder sobald es die Bedingungen im Schleuderraum erlauben, und zwar in einem sauberen, trockenen und geschlossenen Raum. Noch stockwarme Waben lassen sich besser verarbeiten: Der Honig ist flüssiger, was das Schleudern und die Filtration erleichtert.
1.6.1 Honigkreislauf strikt vom Brutkreislauf trennen
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Ziel Ein Honig kann zum richtigen Zeitpunkt, mit einem guten Wassergehalt geerntet werden und dennoch problematisch sein, wenn die Kreisläufe nicht konsequent getrennt werden. |
Grundsatz. Der Honigkreislauf muss vom Brutkreislauf und vom Fütterungskreislauf getrennt bleiben. In der Praxis bedeutet das, dass nur Honigwaben ohne Brut geerntet und geschleudert werden und dass jede Verwechslung der Bestimmung bei den Manipulationen, beim Transport, bei der Zwischenlagerung und beim Schleudern vermieden wird.
Bebrütete Waben. Eine Honigzarge oder eine Wabe, die Brut enthalten hat, darf nicht unbedacht in den Kreislauf des Speisehonigs zurückgeführt werden. Sobald eine Wabe die Funktion gewechselt hat, muss sie als solche gekennzeichnet und nach der Logik des Wachskreislaufs oder des Brutkreislaufs behandelt werden, nicht als gewöhnliche Erntewabe.
Fütterung. Der für die Ernte bestimmte Honig darf keinem Risiko einer Übertragung von Fütterungszucker ausgesetzt sein. Es gibt keine universelle Frist, die allein das Fehlen einer Übertragung garantiert. Die robusteste Regel besteht darin, Fütterung und Honigproduktion zeitlich und räumlich zu trennen, die Zeiträume und abgegebenen Mengen zu kontrollieren und das Ende der Fütterung zu dokumentieren, bevor die zur Honigernte bestimmten Honigzargen wieder aufgesetzt werden.
Praktische Organisation. Einfache Anhaltspunkte vermeiden viele Fehler: eindeutige Kennzeichnung der Honigzargen und Wannen, getrennte Abstellzonen, klare Arbeitsabfolge im Schleuderraum und Reinigung der Werkzeuge oder Flächen, wenn sie für Waben eines anderen Kreislaufs verwendet wurden.
1.7 Sonderfälle je nach Honigsorte
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Ziel |
Raps (Brassica napus)
Rapshonig kristallisiert sehr rasch – teilweise innerhalb weniger Tage nach der Ernte – und kann bereits in den Zellen zu kristallisieren beginnen, bevor er geschleudert wird. Es ist unerlässlich, zu ernten, sobald der Honig reif ist, ohne zu warten. Jede Verzögerung kann das Schleudern mancher Waben erschweren oder unmöglich machen.
Waldhonig und Honigtau
Wald- und Honigtauhonige weisen häufig einen höheren Mineralstoffgehalt auf, aber ihre Viskosität und ihr Verhalten variieren je nach Zusammensetzung. Manche Honigtauhonige enthalten einen hohen Anteil an Melezitose, einem Zucker, der rasch kristallisiert und die Zellen blockieren kann. In diesem Fall sind eine enge Überwachung und ein rasches Schleudern erforderlich. Nicht alle Honigtauhonige sind jedoch melezitosereich: Den einzelnen Bestand beobachten, statt zu verallgemeinern.
Frühlingshonige (Löwenzahn, Obstbäume)
Diese Honige weisen oft einen hohen Glukosegehalt und eine rasche Kristallisation auf, vergleichbar mit Raps. Die Reife eng überwachen und die Waben nach Ende der Tracht nicht länger als notwendig auf dem Stock lassen.
1.8 Zusammenfassung – Zum richtigen Zeitpunkt ernten
Die Ernte ist eine Entscheidung, kein Datum. Sie wird auf der Grundlage konkreter Beobachtungen, bei guten Witterungsbedingungen und mit den richtigen Werkzeugen getroffen. Die hier gemachten Fehler lassen sich im weiteren Verlauf nicht korrigieren.
| Kontrollpunkt | Was zu prüfen ist |
|---|---|
| Reife der Waben | Hoher Anteil verdeckelter Zellen, Spritzprobe als Vorprüfung, anschließend bei Bedarf repräsentative Refraktometermessung |
| Zielwert Wassergehalt | Praktischer Zielwert < 18 %; 20 % ist ein gesetzlicher Grenzwert, kein Ziel |
| Witterungsbedingungen | Trockenes Wetter, niedrige Umgebungsfeuchtigkeit, nicht nach längerer Regenperiode ernten |
| Methode zum Vertreiben der Bienen aus den Honigzargen |
Der Situation angepasst; Honigzargen unverzüglich abdecken |
| Trennung der Waben und Kreisläufe | Nur Honigwaben ohne Brut ernten und schleudern; Honig-, Brut- und Futterwaben nicht mischen |
| Transport und Lagerung | Keine übermässige Hitze, keine Exposition gegenüber feuchter Luft, rasch schleudern |
| Honigsorte | Raps, manche Frühlingshonige und melezitosereiche Honigtauhonige erfordern eine enge Überwachung und ein Schleudern ohne unnötige Verzögerung |
2. Schleudern und Qualität kontrollieren
2.1 Den Schleuderraum vorbereiten: Hygiene, Materialien, Temperatur
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Ziel Der Schleuderraum muss kein Labor sein. Er muss aber einige Grundanforderungen erfüllen, die unmittelbar die Lebensmittelsicherheit und die sensorische Qualität des Produkts bedingen. |
Bienendicht. Der Raum muss während der gesamten Arbeitsdauer bienendicht verschlossen sein. Ein offenes Fenster oder eine angelehnte Tür genügt, um eine schwer zu beherrschende Räuberei auszulösen – und um unerwünschte Verunreinigungen einzutragen.
Flächen und Materialien. Nur lebensmitteltaugliche Materialien dürfen mit dem Honig in Kontakt kommen: Edelstahl, Glas, zertifizierter lebensmittelechter Kunststoff. Nicht geschützte Metalle (Zink, Kupfer, Eisen) reagieren mit der Säure des Honigs und können Farbe, Geschmack und Zusammensetzung verändern. Gerissene oder zerkratzte Gebinde lassen sich schwer richtig reinigen und sollten ersetzt werden.
Sauberkeit und Trinkwasser. Sämtliche Geräte müssen vor der Verwendung sauber und trocken sein. Die Reinigung erfolgt mit Trinkwasser. Restfeuchtigkeit in einem unzureichend getrockneten Gebinde stellt ein direktes Risiko für den Wassergehalt des Honigs dar.
Raumtemperatur. Ein Schleuderraum bei 20–25 °C stellt eine übliche Arbeitsspanne dar, welche das Schleudern, Filtern und Klären erleichtert. Unter 18 °C nimmt die Viskosität im Allgemeinen zu und diese Arbeitsschritte verlangsamen sich. Es handelt sich um technische Anhaltspunkte, nicht um universelle Qualitätsschwellen.
Geruchsneutralität. Der Honig nimmt Gerüche auf. Ein Schleuderraum, der nach Dieselkraftstoff, Haushaltsprodukten, Farbe oder Haustieren riecht, ist ein problematischer Schleuderraum. Vorher lüften, dann vor Arbeitsbeginn schliessen.
Trennung der Kreisläufe. Der Schleuderraum muss auch als organisierter Arbeitsbereich gedacht werden. Honigzargen und -waben sollten sich nicht unbedacht dieselben Zonen, Wannen, Werkzeuge oder Arbeitsflächen mit Material aus dem Brut- oder Fütterungskreislauf teilen. Wo diese materielle Trennung nicht möglich ist, sind eine strenge Arbeitsabfolge und eine Zwischenreinigung zwingend.
2.2 Entdeckeln: Methoden und Umgang mit dem Wachs
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Ziel Das Entdeckeln ist der erste technische Arbeitsschritt der Schleuderung. Saubere Arbeit reduziert die Belastung der Filter, begrenzt die Honigverluste und erhält die Wachsqualität. |
Die Werkzeuge. Das Entdeckelungsmesser – ob kalt, mit heissem Wasser erwärmt oder elektrisch – bleibt die Referenz für saubere Arbeit an regelmässigen Waben. Die Entdeckelungsgabel ist bei unregelmässigen oder leicht eingesunkenen Stellen nützlich. Entscheidend ist, so flach wie möglich zu schneiden: Ziel ist es, die Zellen zu öffnen, nicht eine Wabenschicht zu entfernen.
Häufige Fehler. Zu tiefes Schneiden bringt Wachsfragmente in den Honig und schwächt die Wabe für die folgenden Saisons. Das Arbeiten mit einem kalten Werkzeug in zähflüssigem Honig reisst das Wachs eher ab, als dass es geschnitten wird. Ein leicht erwärmtes Messer – nicht glühend – gleitet besser und verursacht weniger Schäden.
Das Abdeckelungswachs. Es ist im Allgemeinen von hoher Qualität – hell und weniger mit Rückständen belastet als ältere Wachse – und stellt einen wertvollen Rohstoff dar. Es darf nicht weggeworfen oder unbedacht mit alten Wachsen vermischt werden. Es in einer geeigneten Wanne abtropfen zu lassen, ermöglicht, den Resthonig zurückzugewinnen, bevor das Wachs separat verarbeitet wird. Dieser Abtropfhonig kann der Charge beigefügt werden, wenn sein Wassergehalt und seine Herkunft kontrolliert sind, oder einer anderen Verwendung vorbehalten bleiben.
Zusätzlicher Aufmerksamkeitspunkt. Das Entdeckeln behebt keinen Sortierfehler. Waben aus dem falschen Kreislauf werden nicht dadurch für den Speisehonig zulässig, dass sie sauber entdeckelt wurden. Die Sortierung der Honigzargen und Waben muss also im Vorfeld, vor dem Eintritt in den Schleuderraum, erfolgen.
2.3 Schleudern: Steuerung der Zentrifugation
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Ziel |
Tangentialschleuder oder Radialschleuder? In einer Tangentialschleuder sind die Waben senkrecht zur Drehachse eingesetzt. Eine Seite wird geschleudert, danach werden die Waben gewendet, um die andere Seite zu schleudern. In einer Radialschleuder sind die Waben wie die Speichen eines Rades angeordnet, und beide Seiten werden gleichzeitig geschleudert. Die Radialschleuder ist bei grossen Mengen schneller; die Tangentialschleuder ist für kleine Bestände oft zugänglicher und funktioniert gut mit Waben unterschiedlicher Formate.
Steuerung der Drehzahl. Unabhängig vom Gerät gilt dieselbe Regel: die Drehzahl schrittweise steigern. Ein abrupter Start mit beladenen Waben verursacht Unwuchten und kann Waben brechen, insbesondere bei dünnen Mittelwänden oder teilweise kristallisiertem Honig. Bei der Tangentialschleuder vermeidet ein erster Durchgang mit mässiger Drehzahl an der freiliegenden Seite, bevor gewendet und vollständig geschleudert wird, dass das Gewicht der anderen Seite die Wabe verformt.
Temperatur und Flüssigkeit. Noch stockwarme Waben lassen sich deutlich besser schleudern als abgekühlte. Wenn die Honigzargen über Nacht gelagert wurden, kann ein moderates Erwärmen – beispielsweise auf etwa 25–30 °C – den Ertrag verbessern. Die wichtige Regel lautet, die thermische Belastung zu begrenzen: Die Wirkung auf Enzyme, HMF, Farbe und Aromen hängt von der Kombination aus Temperatur und Dauer ab. Es gibt keinen einzigen Schwellenwert – weder 35 noch 40 °C –, unterhalb dessen jede Veränderung ausgeschlossen und oberhalb dessen automatisch wäre. Jede unnötige, lange oder wiederholte Erwärmung vermeiden.
Schweizer Rechtsrahmen. Honig muss ohne Überhitzung verarbeitet werden. Wurde Honig überhitzt, müssen seine Bezeichnung und der Hinweis «ausschliesslich zum Backen bestimmt» den für Backhonig oder Industriehonig geltenden Anforderungen entsprechen. Im Zweifelsfall die Charge trennen und ihre Bestimmung vor dem Verkauf prüfen.
Ausbalancierung der Beladung. Eine ungleichmässig beladene Schleuder vibriert, verschleisst vorzeitig und kann die Waben beschädigen. Immer symmetrisch beladen – gerade Wabenzahl, gleiches Gewicht auf beiden Seiten.
Rückverfolgbarkeit der Chargen. Wenn mehrere Honigzargen oder Lose am selben Tag geschleudert werden, bleibt eine klare Trennlogik wichtig: aus Bequemlichkeit keine saubere, gut identifizierte Honigzarge mit Material unklarer Herkunft oder aus einem anderen Kreislauf vermischen.
2.4 Filtern und klären
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Ziel Filtern heisst nicht sterilisieren. Eine angepasste grobe oder feine Filtration entfernt die durch den Prozess eingebrachten Rückstände und erhält dabei im Allgemeinen einen grossen Teil des Pollens. Eine sehr feine Filtration kann einen erheblichen Teil des Pollens entfernen und die Interpretation der botanischen oder geografischen Herkunft erschweren. |
Die Filterweite. Im Schweizer Rahmen muss das Sieb den Pollen im Honig belassen. Eine Mindestmaschenweite von 0,2 mm (200 µm) wird als regulatorischer oder als Anhaltspunkt eines Qualitätsprogramms verwendet: Unterhalb davon besteht das Risiko, dass ein Teil des Pollens zurückgehalten wird. In der Praxis genügt ein Honig-Doppelsieb (grobe Masche + feine Masche, beide mindestens 0,2 mm) direkt unter der Schleuder für saubere Arbeit. Die Anforderungen des Vertriebswegs oder des betreffenden Labels bleiben entscheidend.
Die Filtration nicht erzwingen. Den Honig durch einen gesättigten Filter zu drücken, um den Durchfluss zu beschleunigen, bringt Luftblasen ein und kann Wachspartikel mechanisch zerkleinern. Besser ist es, den Filter während der Arbeit regelmässig zu wechseln oder zu spülen.
Das Klären im Klärbehälter. Nach der Filtration ruht der Honig im Allgemeinen 24 bis 48 Stunden in einem Klärbehälter – einem flachbodigen Gefäss mit Bodenhahn. Während dieser Zeit steigen Luftblasen und die letzten leichten Partikel in Form von Schaum an die Oberfläche. Dieser Schaum muss vor dem Abfüllen vollständig abgeschöpft werden. Den Klärbehälter während der gesamten Klärungsdauer abdecken: offener Honig nimmt Umgebungsfeuchtigkeit und -gerüche auf.
Klärtemperatur. Bei etwa 20–25 °C ist die Klärung in der Regel wirksam. Unter 18 °C wird der Honig zähflüssiger, und die Partikel steigen langsamer auf. Eine höhere Temperatur kann die Trennung beschleunigen, erhöht bei längerer Einwirkung jedoch die thermische Belastung: eine möglichst kurze Dauer wählen, die mit dem gewünschten Ergebnis vereinbar ist.
Zu beachten. Die Filtration behebt keine Verunreinigung, die durch eine falsche Wabenauswahl oder eine Verwechslung der Kreisläufe entstanden ist. Sie entfernt grobe Rückstände; sie «reinigt» kein ursprünglich schlecht zusammengestelltes Los.
2.5 Wassergehalt nach der Schleuderung kontrollieren
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Ziel Die Messung nach dem Schleudern bezieht sich auf die gesamte Charge, nicht auf eine einzelne Wabe, und sie bestimmt den weiteren Ablauf. |
Richtig messen. Proben an mehreren Stellen des Klärbehälters (Oberfläche, Mitte, Boden) entnehmen und vor der Messung homogenisieren. Das Refraktometer muss kalibriert sein, und die Messung muss bei 20 °C erfolgen oder nach der mit dem Gerät mitgelieferten Tabelle korrigiert werden.
Das Ergebnis interpretieren.
Diese Schwellenwerte dienen der Entscheidungsfindung: Sie machen aus einer Wassergehaltsmessung keine absolute Garantie für Stabilität. Auch die Zusammensetzung des Honigs, die Hefebelastung, die Kristallisation und die Lagerbedingungen müssen berücksichtigt werden.
| Gemessener Wassergehalt | Empfohlene Entscheidung |
|---|---|
| < 17,5 % | Qualitätsziel erreicht. Normal weitermachen und gute Hygiene- und Lagerbedingungen einhalten. |
| 17,5–18,5 % | In Ordnung. Sorgfältig lagern, rasch abfüllen, jede zusätzliche Feuchtigkeitsaufnahme vermeiden. |
| > 18,5 % bis 20 % | Innerhalb der gesetzlichen Grenze, aber ausserhalb der Label-Anforderung von 18,5 %. Charge getrennt halten, nicht mit anderen Chargen mischen und die Entwicklung beobachten. |
| > 20 % | Nicht als Honig vermarkten. Charge trennen und Möglichkeiten der Verwertung oder Verarbeitung gemäss den geltenden Anforderungen prüfen. |
Niemals eine grenzwertige Charge mit einer trockenen Charge mischen, um den Mittelwert zu verbessern. Das verdünnt das Risiko, beseitigt es aber nicht.
Ebenso wenig, um die Bewirtschaftung zu vereinfachen, eine saubere und gut identifizierte Charge mit einer Charge mischen, deren Herkunft, Kreislauf oder frühere Verwendung der Waben unsicher ist. Die Qualität eines Loses lässt sich nicht durch Verdünnung oder Mittelwertbildung wiederherstellen.
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⚠ Feuchtigkeitsreduktion nach der Ernte: eine Notlösung Es ist technisch möglich, den Wassergehalt eines zu feuchten Honigs nach der Schleuderung beispielsweise in einer kontrollierten, entfeuchteten Anlage zu reduzieren. Dieser Ansatz kann in einer Ausnahmesituation helfen, setzt den Honig jedoch Luft, Gerüchen und gegebenenfalls einer thermischen Belastung aus. Er darf aus zwei wichtigen Gründen nicht zur Routine werden. Erstens behebt er nicht die Ursache des Problems – einen zu früh geernteten Honig. Zweitens können die Wiederherstellung der Verkehrsfähigkeit einer Charge durch Feuchtigkeitsreduktion oder andere Eingriffe sowie die entsprechenden Qualitätsprogramme geregelt sein: Vor einer Anwendung bei für den Verkauf bestimmtem Honig die Bestimmung und die geltenden Anforderungen prüfen. Die einzige zuverlässige Lösung bleibt, reif zu ernten. |
2.6 Zusammenfassung – Schleuderung und Qualitätskontrolle
Die Schleuderung ist eine Kette. Jeder Schritt bedingt den nächsten. Ein zu spät erkanntes Problem – ein zu hoher Wassergehalt, eine geruchliche Kontamination, eine unzureichende Filtration – lässt sich nur schwer oder gar nicht beheben, ohne das Produkt zu beeinträchtigen.
| Schritt | Kritischer Kontrollpunkt |
|---|---|
| Schleuderraum | Sauber, trocken, bienendicht, geruchsneutral, lebensmitteltaugliche Materialien |
| Trennung der Kreisläufe | Keine Verwechslung zwischen Honig-, Brut- und Fütterungskreislauf; saubere Werkzeuge und Flächen |
| Entdeckelung | Oberflächlich schneiden, Abdeckelungswachs separat sammeln |
| Zentrifugation | Schrittweise Steigerung der Drehzahl, thermische Belastung begrenzen, lange oder wiederholte Erwärmung vermeiden |
| Filtration | Angepasstes Sieb, Pollen erhalten, Filtration nicht erzwingen, Filter bei Sättigung wechseln |
| Klärung | In der Regel 24–48 h abgedeckt, 20–25 °C, vor dem Abfüllen vollständig abschäumen |
| Messung des Wassergehalts | Kalibriertes Refraktometer, homogene Probe, Entscheidung je Charge |
3. Abfüllen, Etikettieren und Lagern
3.1 Kristallisation: verstehen, um zu steuern
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Ziel Kristallisation ist kein Mangel und für sich allein kein Zeichen einer Qualitätsbeeinträchtigung. Sie ist ein natürlicher Prozess, der von der Zusammensetzung des Honigs und seiner Temperatur abhängt. Eine nicht gesteuerte Textur kann jedoch das Schleudern, das Abfüllen oder die von der Kundschaft erwartete Verwendung erschweren. |
Honig ist eine übersättigte Zuckerlösung. Die Kristallisation erfolgt, wenn sich die Glukosemoleküle vom Wasser trennen und sich zu Kristallen organisieren. Ihre Geschwindigkeit hängt von drei Hauptfaktoren ab:
Die Zuckerzusammensetzung. Ein glukosereicher Honig (Raps, Löwenzahn, Frühling) kristallisiert rasch – manchmal innerhalb weniger Tage. Ein Honig mit hohem Fruktoseanteil, wie manche Akazienhonige, bleibt deutlich länger flüssig. Wald- und Honigtauhonige sind variabel und sollten nicht einer einzigen Regel untergeordnet werden. Das Glukose-Fruktose-Verhältnis hängt hauptsächlich von der Herkunft ab und lässt sich nach der Ernte nicht einfach verändern.
Die Temperatur. Die Kristallisation wird im Allgemeinen in einem Bereich von etwa 10–18 °C begünstigt und verläuft häufig um 14 °C besonders schnell. Bei höheren Temperaturen verlangsamt sie sich, während sehr niedrige Temperaturen sie stark bremsen, ohne sie unbedingt aufzuheben. Einen flüssig gemachten Honig im Kühlschrank aufzubewahren ist daher keine dauerhafte Lösung: Der Prozess kann wieder einsetzen, sobald die Temperatur steigt.
Die Kristallisationskeime. Vorhandene Partikel und bereits gebildete Kristalle können Nukleationspunkte liefern. Viele feine Kristalle begünstigen im Allgemeinen eine feinere und homogenere Kristallisation. Auf diesem Prinzip beruht die Herstellung cremigen Honigs; das Ergebnis hängt jedoch auch von der Zusammensetzung und der Führung der Charge ab.
| Honigsorte | Kristallisationsgeschwindigkeit | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|
| Raps, Löwenzahn, Frühling | Sehr rasch (Tage) | Rasch abfüllen oder Cremigführung unverzüglich einleiten |
| Sommerblüten, Linde, Klee | Mittel (Wochen) | Komfortables Arbeitsfenster |
| Akazie, manche Wald- oder Honigtauhonige | Langsam (Monate) | Kann je nach Zusammensetzung und Lagerung lange flüssig bleiben |
| Melezitose (manche Honigtauhonige) | Sehr rasch und kompakt | Enge Überwachung, sehr rasches Schleudern zwingend |
3.2 Die Kristallisation führen: flüssig, cremig oder natürlich
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Ziel Die endgültige Textur des Honigs ist eine Entscheidung, kein Zufall. Sie muss früh getroffen werden, denn die Handlungsfenster sind für manche Honige eng. |
Flüssighonig. Rasch nach der Klärung abfüllen, bevor die Kristallisation fortschreitet. Diese Präsentation eignet sich für Honige, deren Zusammensetzung eine langsame Kristallisation begünstigt, beispielsweise manche Akazienhonige. Wald- und Honigtauhonige sind variabler. Bei rasch kristallisierenden Honigen kann der Honig im Glas beim Kunden fest werden: Es ist sinnvoll, die Kundschaft darüber klar zu informieren.
Cremiger Honig. Dies ist eine häufig eingesetzte Technik, um die Textur rasch kristallisierender Honige zu steuern. Der noch flüssige Honig wird mit einer passenden Menge hochwertigen cremigen Honigs (Impfhonig mit sehr feinen Kristallen) geimpft, häufig in der Grössenordnung von 5–10 %, und anschliessend in einem für die Kristallisation günstigen Temperaturbereich regelmässig gerührt. Anteil, Rührhäufigkeit und Temperatur sind kein universelles Protokoll: Sie müssen an die Honigsorte und die Ausrüstung angepasst werden. Der Honig wird abgefüllt, sobald er die gewünschte Konsistenz erreicht – weder zu flüssig noch zu fest.
Das robuste Prinzip besteht darin, viele feine Kristalle zu bilden und gleichmässig zu verteilen, ohne Luft einzuarbeiten oder die Charge unnötig zu erwärmen. Die folgenden Schritte beschreiben eine praktische Methode unter mehreren Möglichkeiten.
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Cremigen Honig herstellen: die wesentlichen Schritte
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Natürliche Kristallisation. Manche Honige können ohne Eingriff frei kristallisieren gelassen werden. Die Textur ist dann weniger vorhersehbar, aber die Kristallisation ist für sich allein kein Zeichen einer Qualitätsbeeinträchtigung. Dieser Ansatz eignet sich für den Eigenbedarf oder für eine Kundschaft, die den natürlichen Charakter schätzt, sofern das Ausbleiben einer Gärung überwacht wird.
Was nicht zu tun ist: einen bereits kristallisierten Honig regelmässig oder lange zu erhitzen, um ihn flüssig zu machen. Eine längere oder wiederholte thermische Belastung kann die Enzymaktivität verringern, die HMF-Bildung fördern sowie Farbe, Aromen und andere Eigenschaften verändern. Es gibt keinen magischen Schwellenwert von 40 °C: Die Wirkung hängt von der Kombination aus Temperatur und Dauer ab. Falls eine Verflüssigung notwendig ist, schrittweise, kontrolliert und so kurz wie möglich vorgehen, beispielsweise im Wasserbad oder in einer geeigneten Anlage, niemals in der Mikrowelle.
3.3 Abfüllen
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Ziel |
Gebinde. Vorzugsweise Glas – neutral, undurchlässig, wiederverwendbar und inert. Lebensmittelechter Kunststoff ist zulässig, muss aber für den Kontakt mit Lebensmitteln zertifiziert sein. Die Deckel müssen dicht schliessen.
Trockene Gläser. Die Gläser mit Trinkwasser reinigen und vor dem Gebrauch vollständig trocknen lassen. Eine Dampfbehandlung kann im Rahmen des Hygieneplans vorgesehen werden, ersetzt jedoch nicht das Trocknen. Ein Wassertropfen am Boden eines Glases stellt einen örtlich begrenzten Feuchtigkeitseintrag dar und ist zu vermeiden.
Zeitpunkt je nach angestrebter Textur. Für Flüssighonig unmittelbar nach Ende der Klärung abfüllen. Für cremigen Honig abfüllen, wenn die Textur erreicht, aber noch weich ist. Ein bereits im Klärbehälter fest gewordener Honig lässt sich nur sehr schwer umfüllen, ohne Luft einzuarbeiten.
Temperatur von Gläsern und Honig. Ein erheblicher Temperaturunterschied zwischen Honig und Glas verursacht Kondensation im Innern. Die Gläser vor dem Füllen an die Raumtemperatur anpassen lassen.
Schnell verschliessen. Je länger ein gefülltes Glas offen bleibt, desto grösser ist das Risiko der Aufnahme von Feuchtigkeit und Gerüchen. Die Deckel ohne Verzögerung schliessen und die Dichtigkeit prüfen.
Ordnung und Sauberkeit. Das Abfüllen muss der letzte Schritt eines sauberen Kreislaufs bleiben. Gläser, Deckel oder Abfüllutensilien nicht an feuchten, staubigen oder fremden Gerüchen ausgesetzten Orten lagern.
3.4 Etikettierung
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Ziel |
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Obligatorische Angaben auf jedem verkauften Glas (Schweizer Lebensmittelrecht)
Zu vermeiden: irreführende Angaben («100 % natürlich», «rein»), nicht zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen, Sortenbezeichnungen ohne ausreichende Grundlage. → Für Einzelheiten und Sonderfälle: das Merkblatt «Honig korrekt etikettieren» von apisuisse und den entsprechenden ApiSavoir-Artikel konsultieren. Angaben zu Blüten- oder Pflanzenherkunft, geografischer Herkunft, Qualität oder Kontrolle dürfen den Käufer nicht irreführen. |
3.5 Lagerung
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Ziel |
Grundbedingungen. Honig wird an einem kühlen (in der Praxis etwa 10–16 °C), trockenen, lichtgeschützten und hermetisch verschlossenen Ort aufbewahrt. Diese Bedingungen sind nicht schwer zu erfüllen – werden aber oft vernachlässigt. Es handelt sich nicht um einen absoluten Schwellenwert für alle Chargen, sondern um einen Lagerkompromiss, der unerwünschte Veränderungen verlangsamt.
Licht und Hitze. Die Einwirkung von Licht und hohen Temperaturen kann den Verlust von Aromen, Farbveränderungen und die Bildung von HMF beschleunigen. Die Wirkung hängt von der kumulierten Dauer und Temperatur ab; transparente Gläser in einer sonnigen Auslage sind besonders exponiert.
Feuchtigkeit. Ein unzureichend dichtes Glas kann Feuchtigkeit eindringen lassen, besonders in einem feuchten Raum. Hobbocks müssen mit dem Deckel nach oben gelagert, regelmässig kontrolliert und in einem trockenen Raum aufbewahrt werden.
Bestandsrotation. Das Prinzip «First in, first out» anwenden. Ältere Honige müssen vor den neuen Ernten abgegeben werden. Anhaltende Blasen, ein säuerlicher Geruch oder Geschmack und ein gewölbter Deckel können auf Gärung hinweisen: Die Charge isolieren und nicht verkaufen, solange ihre Konformität nicht geklärt ist.
Grossgebinde. Hobbocks müssen hermetisch, aus lebensmittelechtem Material sein und mit Losnummer und Erntedatum beschriftet werden. Niemals Honig einer neuen Ernte in einen bereits angebrochenen Behälter einer früheren Saison nachfüllen.
Auch langsame Kontaminationen vermeiden. Selbst gut verschlossen kann ein schlecht verwalteter Bestand problematisch sein, wenn die Gebinde in der Nähe von geruchsintensiven Substanzen, Farben, Treibstoffen, Haushaltsprodukten oder anderen Quellen fremder Gerüche aufbewahrt werden.
3.6 Rückverfolgbarkeit und Mindestdokumentation
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Ziel |
Rückverfolgbarkeit erfordert kein komplexes System. Für einen Imker mit kleinem Betrieb genügt ein einfaches Register, sofern es ermöglicht, jedes verkaufte Glas einer genauen Charge zuzuordnen. Welche Unterlagen aufzubewahren sind und wie lange dies erfolgen muss, kann vom Vertriebsweg abhängen: Besonders bei der Abgabe an Zwischenhändler sind die geltenden Anforderungen zu prüfen.
Das nützliche Minimum je Charge:
- Erntedatum und Herkunftsstandort
- Honigsorte (Blüten, Wald, Raps …)
- Gemessener Wassergehalt (Wert und Datum der Messung)
- Losnummer (auf dem Etikett übernommen)
- Produzierte und abgefüllte Menge
- Abfülldatum
- Bestimmung oder Käufer, sofern dies der Vertriebsweg erfordert
- Nützliche Beobachtungen zum Erntekreislauf bei Besonderheiten: jüngste Fütterung, Nutzungswechsel bestimmter Waben, Trennung von Risikolosen oder jede nützliche Information, um eine Verwechslung zwischen Honig, Brut und Fütterung auszuschliessen
Dieses Register erlaubt es, bei einer Reklamation oder einer Kontrolle sofort die einem bestimmten Los zugehörigen Informationen abzurufen. Es ist auch ein nützliches persönliches Werkzeug, um die eigene Praxis von einer Saison zur nächsten zu verbessern.
3.7 Gesamtübersicht – Von der Honigzarge zum Glas
Dieser Artikel hat den Honig von der Honigzarge, die noch auf dem Stock stand, bis zum verschlossenen Glas begleitet. Die kritischen Punkte lassen sich auf die folgenden Grundsätze zusammenfassen:
| Grundsatz | Warum er wesentlich ist |
|---|---|
| Nur reifen Honig ernten | Der Wassergehalt zum Erntezeitpunkt bestimmt alles – Gärung, Konservierung, Qualität |
| Honigkreislauf strikt vom Brut- und Fütterungskreislauf trennen | Die Honigqualität wird zuerst durch eine klare Trennung von Waben, Honigzargen, Werkzeugen und Losen geschützt |
| In einem sauberen und trockenen Schleuderraum arbeiten | Hygiene und Kontrolle der Umgebungsfeuchtigkeit schützen das Produkt in jedem Schritt |
| Die thermische Belastung begrenzen | Die Auswirkungen auf Enzyme, HMF, Farbe und Aromen hängen vom Verhältnis von Temperatur und Dauer ab; unnötige, lange oder wiederholte Erwärmung vermeiden |
| Filtern, ohne den Pollen zu entfernen | Sichtbare Rückstände mit einem angepassten Sieb entfernen, Filtration nicht mit Sterilisation verwechseln und sie nicht zur Korrektur einer schlechten Charge einsetzen |
| Messen und je Charge entscheiden | Eine repräsentative Wassergehaltsmessung hilft, das Gärungsrisiko einzuschätzen, muss aber zusammen mit Zusammensetzung und Lagerung interpretiert werden |
| Kühl, trocken, dunkel und hermetisch lagern | Aufnahme von Feuchtigkeit und Gerüchen sowie zeit- und temperaturbedingte Veränderungen verringern |
| Jede Charge etikettieren und rückverfolgen | Glas und Charge mit Herkunft, Messung, Abfülldatum und Bestimmung verknüpfen, um bei einem Problem handeln zu können |
Mehr erfahren:
- Wassergehalt im Honig beherrschen
- Kristallisation des Honigs
- Honig korrekt etikettieren
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