Zehn Tipps für eine fachgerechte Durchsicht eines Bienenvolks
Die Durchsicht einer Beute sollte im Voraus vorbereitet werden, um nichts zu vergessen und effizient zu arbeiten. Jede Durchsicht, selbst eine kurze, stört das Volk, das sie als Eindringen wahrnimmt; der dabei entstehende Stress veranlasst die Bienen, zwischen 0,5 und 1 kg Honig zu verbrauchen. Eine Durchsicht sollte daher nur bei Bedarf durchgeführt werden. Die folgenden Hinweise machen die Durchsichten effizienter:
1. Die Ziele der Völkerdurchsicht
Die Völkerdurchsicht gut durchdenken, bevor man beginnt.
Hat die Kolonie ausreichend Futtervorräte?
Ist die Kolonie stark?
Muss der vom Couvain belegte Raum vergrössert werden?
Müssen Rähmchen entnommen werden?
Muss eine Zarge aufgesetzt werden?
Ist die Königin vorhanden?
Ist die Königin gezeichnet?
Ist die Königin in Eilage?
Ist das Brutbild homogen?
2. Der Schutz des Imkers
Eine Völkerdurchsicht, auch eine kurze, erfordert einen in Betrieb befindlichen Smoker und eine griffbereite Imkerkombi. Ein wenig Rauch verhindert eine Aggressivität der Kolonie, die sich durch die Verbreitung der Angriffspheromone auf die Nachbarvölker übertragen könnte. Manchmal kann das Schliessen einer Beute im Angriffsmodus zu einer echten Herausforderung werden. Die Weiterführung der Völkerdurchsicht am Bienenstand könnte dadurch sogar gefährdet sein. Um dies zu vermeiden, stets mit Schutz visitieren.
3. Das bereitgestellte Material
Je nach Zielen und Jahreszeit wird das allenfalls benötigte Material vorbereitet und in unmittelbarer Nähe der Beute einsatzbereit bereitgestellt:
Stockmeissel, Schaber, Bienenbürste,
Mittelwand, Rähmchen (Leerrähmchen, Futterrähmchen),
Bestückte Zarge,
Königinnengitter,
Bienenflucht,
Material zum Königin zeichnen: farbige Reissnagel, Stift, Stockkarte,
Futtergeschirr, Sirup.
4. Den richtigen Zeitpunkt wählen
Wenn möglich einen Tag wählen, an dem die Temperatur 15 °C übersteigt: Das Couvain wird vor einem nachteiligen Abkühlen geschützt. Auf Windstille und keine Gewittergefahr achten. Eine Tracht, selbst eine schwache, treibt die Sammlerinnen an die Arbeit, ausserhalb der Beute.
5. Die Ruhe, erste Qualität des Imkers
Eine präzise und unaufgeregte Arbeitsweise mit ausreichend Zeit hält die Kolonie ruhig. Die Arbeit des Imkers wird dadurch erleichtert, mitunter sogar verkürzt. Wenn die Aggressivität der Kolonie die Völkerdurchsicht beeinträchtigt, ist es besser, sie auf einen anderen Tag zu verschieben. Ein verdächtig aggressives Volk wird am Ende der Völkerdurchsicht geöffnet, damit nicht der gesamte Bienenstand in Aufruhr gerät.
6. Zu vermeidende Gesten und Handlungen
Das Facettenauge der Biene nimmt Bewegungen verstärkt wahr. Schnelle Bewegungen werden als Angriff wahrgenommen, und die Bienen gehen in den Verteidigungsmodus. Erschütterungen an den Bienenstöcken übertragen sich als Vibrationen auf die Nachbarvölker auf demselben Ständer. Das Ablegen von Material – Dach, Smoker, Stockmeissel – auf dem Nachbarvolk erzeugt ebenfalls unnötige Vibrationen, die zu vermeiden sind. Individuelle Unterlagen für jede Beute werden zu selten verwendet.
Die Biene reagiert sehr empfindlich auf Gerüche. Ein Parfum oder Schweiss können Aggressivität hervorrufen. Die Biene ist auch sehr empfindlich gegenüber Farben. Eine helle und einheitlich gefärbte Imkerkombi ist vorteilhaft. Lederhandschuhe sind zu vermeiden, da sie Keime von einem Volk zum anderen übertragen können und sich nur schwer sterilisieren lassen. Einweghandschuhe aus Latex sind vorzuziehen.
7. Sanft einräuchern
Ein oder zwei kleine Rauchstösse am Flugloch kündigen der Kolonie die Völkerdurchsicht an. Ein kleiner Stoss beim Öffnen des Deckbretts ist nicht immer notwendig. Ein weiterer kleiner Stoss im Verlauf der Völkerdurchsicht kann nützlich sein, wenn sich die Inspektion etwas verlängert…
Niemals den Smoker in der Zarge einsetzen: Der Honig könnte diesen Rauchgeruch annehmen.
8. Sich den Gegebenheiten anpassen
Auch wenn die Ziele vor dem Öffnen der Beute festgelegt sind, muss sich der Imker den Beobachtungen anpassen, die während der Völkerdurchsicht gemacht werden. Wenn das Ziel beispielsweise das Königin zeichnen einer jungen Königin ist und dabei eine Weiselzelle entdeckt wird, muss vorrangig geklärt werden, ob eine Königin in dieser Beute vorhanden ist oder nicht. Wenn diese Königin gefunden wird, sind vorrangig Massnahmen zu ergreifen, um ein Schwärmen dieses Volkes zu verhindern. Das ursprüngliche Ziel – das Königin zeichnen – tritt dann in den Hintergrund.
9. Reinigen
Der Imker nutzt die Gelegenheit, die Wachsbrücken zwischen den Rähmchen, auf den Rähmchenauflagen, an den Wandungen des Brutraums, auf dem Trennschied oder dem Deckbrett zu entfernen. Die Bodeneinsätze werden ebenfalls regelmässig gereinigt. Diese Stellen werden von den Bienen kaum besucht und begünstigen die Entwicklung von Krankheitserregern ansteckender Krankheiten sowie das Eindringen von Wachsmotten.
10. Beobachtungen notieren
Die Völkerdurchsicht endet mit der Aufzeichnung der Beobachtungen auf der Stockkarte. Die verschiedenen Beobachtungen, die durchgeführten Massnahmen und die Ziele der nächsten Völkerdurchsicht werden festgehalten:
Datum der aktuellen Völkerdurchsicht
Vorgesehenes Datum der nächsten Völkerdurchsicht
Volksstärke und Verhalten der Kolonie (Aggressivität, Belegung der Rähmchen, Sauberkeit…)
Anwesenheit der Königin, Brutbild, Weiselzelle
Futtervorräte
Einsetzen oder Entnehmen von Rähmchen, Zarge
Auffüttern, Behandlung (Ameisensäure, Oxalsäure, Drohnenwabe…), natürlicher Totenfall der Varroamilben.
► Eine Karte zum Notieren der Beobachtungen ausdrucken
Siehe auch:
- Spätwinterfütterung: Was ist davon zu halten?
- Die Varroatoleranz
- Merkblatt: 1.2.2 Nassenheider-Verdunster professional


