Wie führt man Königinnen ein?
Das Zusetzen von Königinnen ist stets mit einem hohen Risiko für die eingeführte Königin verbunden. In der Fachliteratur werden Ausfallraten von bis zu 50 % genannt. Damit das Zusetzen gelingt, müssen die Bedingungen für die Annahme der Königin optimal sein. Die höchsten Erfolgsaussichten bestehen, wenn ein Jungvolk mit einer jungen Königin mit einem älteren Volk vereinigt wird. Generell ist es erforderlich, gezielt günstige Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ein Volk die zugesetzte Königin akzeptiert.
1. Voraussetzungen für die Akzeptanz einer Königin
- Ein verwaistes Volk ohne offene Brut kann eine neue Königin erfolgreich aufnehmen
- Junge Bienen akzeptieren die neue Königin leichter als ältere Bienen. Wird eine Königin in ein seit Langem weiselloses Volk eingeführt, das hauptsächlich aus älteren Bienen besteht, ist grösste Vorsicht geboten. Hat das Volk begonnen, Drohneneier zu legen (= buckelbrutiges Volk), muss das Volk abgetötet werden, da es keine neue Königin mehr annehmen wird (alle Bienen des buckelbrütigen Volks von allen Rähmchen 100 m vom Bienenstand entfernt abwischen)
- Ein Volk ohne offene Brut ist nicht in der Lage, selbst eine Nachschaffung einzuleiten. Es wird eine neue Königin bereitwilliger annehmen
- Starke Völker sind schwieriger umzuweiseln. Je stärker das Volk, desto mehr Pheromone muss die Königin produzieren, damit die Bienen sich nicht weisellos fühlen
- Leere Wabengassen und Brut ziehen junge Bienen an. Damit die Königin von jungen Bienen umgeben ist, wird der Zusetzer in eine leere Wabengasse zwischen zwei Brutwaben gehängt
- Ein ruhiges und friedliches Volk nimmt eine neue Königin besser an als ein unruhiges und stechfreudiges Volk
- Ein Volk mit Futtermangel greift die eingeführte Königin häufiger an. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Beute vor dem Umweiseln zu füttern.
- Ein Volk in Schwarmstimmung wird wenig geneigt sein, eine neue Königin anzunehmen
- Die Königin ohne zusätzliche Wartetage einweiseln (auch wenn man eine Königin mit ihren Begleitbienen in ihrer Versandkäfig eine Woche lang lichtgeschützt aufbewahren kann). Wenn die Königin mehrere Tage nicht legt, weil sie im Käfig eingesperrt ist, nimmt die Intensität ihrer Königinnenpheromone ab
- Es ist einfacher, eine Königin ausserhalb der Aufzuchtperiode einzuführen, also im März, April, September und Oktober. Im Frühjahr und Herbst sind die Pheromonproduktion und die Volksstärke geringer als im Sommer. Der günstigste Zeitpunkt variiert je nach gewählter Einweiselmethode.
- Bei gutem Flugwetter befinden sich die älteren Bienen ausserhalb der Beute, was den Königinnenwechsel erleichtert. Das Einsetzen des Zusetzer am späten Nachmittag bei ruhigem Volk mit Entlassung der Königin am folgenden Tag, wenn die älteren Bienen draussen sind, fördert die Akzeptanz
- Bei guter Haupttracht sind die älteren Bienen mit der Sammeltätigkeit beschäftigt, was ebenfalls einen erfolgreichen Königinnenwechsel begünstigt
- Räubereisstimmung ist ungünstig, da die Bienen aufgeregt sind
Zu vermeidende Fehler:
- Die Beute nicht vor einer Woche, besser 10 Tagen, öffnen, um die Anwesenheit der Königin zu prüfen.
- Die Königin nicht mit ihren Begleitbienen im Käfig einweiseln
- Der Zucker im Futterteigverschluss darf nicht hart sein. Die Königin wird zu spät freigelassen (Abnahme der Pheromone, wenn die Königin mehrere Tage lang keine Möglichkeit hat zu legen)
- Nicht vergessen, die Sicherheitslasche des Zusetzer zu entfernen
2. Einweiselmethoden
Es gibt verschiedene Methoden zur Einweisung von Königinnen. Die gewählte Methode hängt von den Bedingungen und Gepflogenheiten ab.
2.1 Einweisung in ein Jungvolk
Am sichersten ist es, Königinnen in Jungvölker einzuweiseln. So entsteht eine Situation, die einem Nachschwarm ähnelt. Junge Königinnen können sowohl in Ableger als auch in Kunstschwärme eingeführt werden. Das Vorgehen ist wie folgt:
- Einen Kunstschwarm mit ca. 1,8 kg Bienen auf Mittelwand vorbereiten (vgl. Sommerableger) oder 5 Tage vor der Einweisung der Königin einen Ableger mit einer Futterwabe und zwei Rähmchen offener und verdeckelter Brut, besetzt mit Bienen, anlegen. Diesen Ableger durch Abwischen der Bienen von einer Brutwabe verstärken. Die älteren Bienen kehren zum Stammvolk zurück
- Füttern
- Am 5. Tag die Weiselzellen entfernen
- Den Zusetzer ohne Begleitbienen zwischen 2 Brutwaben einsetzen und die Sicherheitslasche entfernen (wer befürchtet, dass die Königin auffliegt, wenn man die Begleitbienen entfernt, kann den Käfig kurz in ein Glas Wasser tauchen). Den Futterteig mit einem Streichholz durchstechen. Der Futterteig darf nicht zu hart sein.
- Füttern
- Nach einer Woche, besser 10 Tagen, die Eilage kontrollieren
- Ziel ist es, bis Ende August einen Ableger auf 6 Rähmchen zu haben
2.2 Einweisung in ein seit 7–9 Tagen weiselloses Volk
- Das Volk weiseln
- 7 bis 9 Tage warten
- Die Weiselzellen entfernen (dasselbe Ergebnis erhält man, wenn man die zu entfernende Königin in einem geschlossenen Zusetzer zwischen den Brutwaben einsperrt. Die Anwesenheit der alten Königin im Käfig verhindert normalerweise die Bildung von Notfallzellen; die Brutwaben müssen dennoch kontrolliert werden.)
- Gemäss den Punkten d bis g aus Kapitel 2.1 vorgehen (nicht vor 7 Tagen öffnen!)
Tipp: Die Königin kann direkt nach der Ameisensäurebehandlung gewechselt werden: Das Volk am Abend weiseln, die Behandlung am folgenden Morgen starten und nach Abschluss der Behandlung (in der Regel 7 bis 9 Tage) die neue Königin einweiseln. Vorteil: Eine Legepause nach der Behandlung wird vermieden, da die neue Königin sofort mit der Eiablage beginnt.
2.3 Einweisung mit einem kleinen Volk
Die Königin kann auch mit einem kleinen Volk (kleiner Ableger oder Reservevolk) eingeführt werden. Ein kleines Volk kann direkt mit einem starken weisellosen Volk vereint werden. Das Erscheinen einer neuen Königin kann jedoch im Volk für Unruhe sorgen. Daher ist auf eine ausreichende Luft- und Wasserversorgung zu achten.
Vereinigung mit einem Königinnengitter
Zwischen dem Ableger und dem weisellosen Volk wird ein Königinnengitter gelegt. Sobald die Bienen den Candi verbraucht haben, der die Öffnungen verschlossen hat, vermischen sich die Gerüche beider Populationen. Dadurch nimmt das weisellose Volk die Königin nach Entfernen des Gitters in der Regel gut an.
Vereinigung mit einem Zeitungsblatt
Zwischen die beiden Völker, die vereint werden sollen, legt der Imker zwei Lagen feuchtes Zeitungspapier, in das einige 2–3 cm lange Schlitze eingeschnitten werden. Wenn die Bienen sich durch das Zeitungspapier durcharbeiten, vermischen sich die Völker.
2.4 Umweiseln «auf die Schnelle»
Diese Methode ist nicht zuverlässig. Sie kann gegen Ende der Saison funktionieren.
- Das Volk weiseln
- Gemäss den Punkten d bis g aus Kapitel 2.1 vorgehen (nicht vor 7 Tagen öffnen!)
Eine zuverlässigere Methode: Die Begattungsbeute (z. B. Apidea) verwenden
- Das Volk weiseln
- 2 Stunden warten
- Zwei Zeitungsblätter auf das weisellose Volk legen
- Auf einem Boden der Apidea-Begattungsbeute kleine Löcher mit einem Stift einstechen (Variante: ein Brett zuschneiden, um die Begattungsbeute aufzunehmen)
- Den Boden öffnen und die Begattungsbeute auf dieser Fläche aufsetzen (siehe Bild unten)
- Eine Honigzarge aufsetzen und schliessen
- Gemäss den Punkten e bis g aus Kapitel 2.1 vorgehen (nicht vor 7 Tagen öffnen!)
3. Wann soll man seine Königin wechseln?
Zwei Fälle:
- Alte Königin, Königin eines stechfreudigen Volkes, Königin eines Volkes ohne Vitalität, Königin eines Volkes mit Kalkbrut: So bald wie möglich wechseln
- Neue Königin nach Schwarmabgang, junge, aber «bastardisierte» Königin (F3 bis Fx):
Da die Winterverluste hoch sind, wäre es ideal, den Wechsel bei den betreffenden, überwinterten Völkern vor der Schwarmstimmung im Frühjahr vorzunehmen.
Zwei Schwierigkeiten:
- Königinnen zu Saisonbeginn finden! (ganz Anfang Mai)
- Gute Ernte und Jungkönigin scheinen unvereinbar zu sein, da die junge Königin prolixe legt und ein grosser Teil der Aufmerksamkeit des Volks der Aufzucht des umfangreichen Brutbestands gewidmet wird, auf Kosten der Ernte. Abhilfe schafft das Einengen dieses Volks auf z. B. 8 Rähmchen.
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Siehe auch:
► Merkblatt: 4.5.2 Königin einweiseln
► Völker und Königinnen erneuern
► Ableger anlegen und Königinnenzucht
► Grundsätze und Methoden der Königinnenzucht


