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Wie bewerten Bienen ihre Königin?

Ein Bienenvolk behält seine Königin oder beginnt, eine Nachfolgerin aufzuziehen. Welche Aussagen erklären, wie die Arbeiterinnen ihre Königin bewerten?
Mehrere Antworten sind richtig.

  1. Die Arbeiterinnen reagieren auf ein Zusammenspiel von Königinnensignalen, junger Brut und den Bedingungen im Volk.
  2. Die Menge des mandibulären Königinnenpheromons allein genügt, um die Fortpflanzungsfähigkeit der Königin vollständig zu beurteilen.
  3. Kontakte mit der Königin und zwischen Arbeiterinnen tragen zur Weitergabe der Königinnensignale im Volk bei.
  4. Es ist nachgewiesen, dass Arbeiterinnen die gelegten Eier zählen und dadurch jeden Legestopp unmittelbar erkennen.
  5. Junge Brut kann die Reaktion des Volkes beeinflussen, auch wenn die Königin noch vorhanden ist.
  6. Es gibt einen nachgewiesenen, für alle Völker gültigen Pheromonschwellenwert, unterhalb dessen die Königin ersetzt wird.

Richtige Antworten: 1, 3 und 5.

Warum?

  • 1 — Richtig. Die Reaktion der Arbeiterinnen hängt von mehreren Informationen ab. Dazu gehören chemische Signale der Königin, Signale der jungen Brut sowie Ressourcen, Jahreszeit und Zustand des Volkes. Ihre Wirkungen verändern sich im Laufe der Zeit.
  • 2 — Falsch. Das mandibuläre Königinnenpheromon, kurz QMP, ist nur ein Teil der chemischen Kommunikation. Weitere Substanzen tragen zur Wirkung der Königin bei. Die untersuchten mandibulären Stoffe erlaubten zudem nicht in jedem Fall, normal begattete von drohnenlegenden Königinnen zu unterscheiden.
  • 3 — Richtig. Königinnensubstanzen gelangen zunächst zu den Arbeiterinnen ihres Hofstaats und werden durch weitere Kontakte im Volk verteilt. Auch Wachs dient als Träger und Speicher. Es handelt sich nicht einfach um einen gleichmässig im Stock verteilten Duft.
  • 4 — Falsch. Die im Artikel ausgewerteten Studien belegen weder ein Zählen der Eier noch die direkte Erkennung jedes Legestopps. Ob Arbeiterinnen einen Legestopp unabhängig von Brutsignalen und anderen Veränderungen erkennen, bleibt offen.
  • 5 — Richtig. In einem Versuch begannen nach der Entfernung von Eiern und jungen Larven sechs von neun Völkern mit der Königinnenaufzucht, obwohl eine gesunde Königin vorhanden war. Bei den Kontrollvölkern war es eines von neun. Das zeigt einen Einfluss der jungen Brut, aber keinen zwangsläufigen Königinnenwechsel.
  • 6 — Falsch. Ein allgemeingültiger, messbarer Schwellenwert für den Königinnenwechsel ist nicht nachgewiesen. Das im Artikel beschriebene dynamische Modell erklärt mögliche Zusammenhänge, erlaubt aber keine sichere Vorhersage eines Ersatzes.

Was man verstehen sollte

«Bewerten» bedeutet hier, dass Arbeiterinnen ihr Verhalten aufgrund biologischer Informationen anpassen. Es bezeichnet weder ein bewusstes Urteil noch eine vollständige Prüfung der Fruchtbarkeit. Das Volk beeinflusst die empfangenen Informationen zudem selbst: Es füttert die Königin, pflegt die Brut und verteilt chemische Signale. So entstehen Rückkopplungen zwischen Königin, Brut und Arbeiterinnen.

Merke

Weder ein einzelnes Pheromon noch das Fehlen von Eiern erklärt allein, warum ein Volk seine Königin behält oder ersetzt. Königin, junge Brut, Ressourcen und zeitlichen Verlauf gemeinsam betrachten. Eine begonnene Königinnenaufzucht bedeutet noch nicht, dass tatsächlich eine Umweiselung folgt.

Weiterführende Artikel

► Wie ein Bienenvolk seine Königin beurteilt

► Königinnenpheromone

► Warum ersetzt ein Bienenvolk seine Königin?

► Pheromone – eine echte semiochemische Kommunikation

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