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Schadstoffe im Wachs identifizieren und handhaben

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Bienenwachs ist nicht nur Baumaterial: Es kann auch das chemische Gedächtnis von Behandlungen und der Umgebung des Bienenstands bewahren. Dieser Artikel erklärt, warum sich bestimmte Rückstände darin anreichern, was das für die Gesundheit der Völker bedeutet und weshalb die regelmässige Erneuerung der Waben eine zentrale gute imkerliche Praxis bleibt.

1. Das Wesentliche in Kürze

  • Bienenwachs hält zahlreiche lipophile Rückstände besonders gut zurück: Es kann die Spuren von Imkereibehandlungen und der Umgebung des Bienenstands lange bewahren.
  • Die häufigsten Rückstände stehen oft im Zusammenhang mit der Varroabehandlung, insbesondere wenn es sich um ältere lipophile Akarizide handelt.
  • Belastetes Wachs bedeutet nicht automatisch belasteten Honig, doch die Übergänge zwischen Wachs, Bienenbrot und Brut verdienen Beachtung.
  • Das Einschmelzen des Wachses genügt nicht, um chemische Rückstände zu beseitigen: Einschmelzen, Sterilisation und Dekontamination sind drei verschiedene Dinge.
  • In der Schweiz besteht die praktische Priorität darin, mit rückverfolgbarem Wachs zu arbeiten, das Recycling alter Brutraumwachse zu begrenzen und die empfohlenen Varroastrategien zu bevorzugen, die sich kaum im Wachs anreichern.

2. Was die Studie zeigt

Der Text fasst mehrere Arbeiten zum Bienenwachs als Schadstoffreservoir, zu deren Verbreitung innerhalb des Bienenstocks und zu den begrenzten Möglichkeiten der Dekontamination zusammen.

 

Abb.: Bienen können Wachsfragmente an ihren Pollenkörbchen transportieren. Das Wachs kann an einem Propolistropfen kleben (Foto a) oder direkt am Körbchen befestigt sein (Foto c); Foto b zeigt die Übergabe eines Wachspartikels an das zweite Beinpaar; Foto d zeigt das Aufnehmen eines dunkleren Wachses.
Quelle: Olszewski et al. 2022, Bild unter der Lizenz Creative Commons Attribution 4.0.

Frage. Der Artikel versucht zu erklären, warum Bienenwachs trotz seiner scheinbaren Stabilität eine kontaminationsanfällige Matrix darstellt. Er befasst sich mit landwirtschaftlichen Pestiziden, mit gegen Varroa eingesetzten Tierarzneimitteln, mit möglichen Übergängen in andere Bereiche des Bienenstocks und mit Möglichkeiten, diese chemische Belastung zu verringern.

Methode. Es handelt sich nicht um eine einzelne experimentelle Studie, sondern um eine kommentierte Übersicht. Der Artikel führt Ergebnisse aus mehreren Publikationen über Rückstände im Wachs zusammen, namentlich aus belgischen, spanischen, schweizerischen und amerikanischen Studien, sowie Arbeiten zur physikalisch-chemischen oder chemischen Dekontamination des Wachses.

Ergebnisse. Der Ausgangspunkt ist chemischer Natur: Wachs ist eine fettige Substanz und damit besonders günstig für die Anreicherung lipophiler Verbindungen. Der Artikel zitiert namentlich eine belgische Studie an 182 Wachsproben, bei der in 97,3 % der Fälle Rückstände gefunden wurden, häufig mit Mehrfachbelastungen. Zu den am häufigsten beobachteten Stoffen gehören in der Imkerei verwendete Akarizide wie Tau-Fluvalinat oder Coumaphos, aber auch landwirtschaftliche oder umweltbedingte Pestizide.

Schlüsselbegriffe

Lipophil, hydrophil: Warum das Wachs bestimmte Rückstände zurückhält

Eine lipophile Substanz löst sich leicht in Fetten; eine hydrophile Substanz löst sich leichter in Wasser. Diese Unterscheidung hilft zu verstehen, warum das Wachs als lipidhaltige Matrix zahlreiche lipophile Akarizide und Pestizide zurückhält, während der Honig, der reich an Wasser und Zuckern ist, dieselben Stoffe weniger leicht zurückhält.

Das bedeutet nicht, dass der Honig niemals belastet sein kann, sondern dass die Übergangswege stark von den chemischen Eigenschaften der Moleküle abhängen. Belastetes Wachs bedeutet also nicht automatisch belasteten Honig; es weist vor allem auf eine mögliche dauerhafte Exposition im inneren Milieu des Bienenvolks hin.

Der Artikel betont anschliessend einen wichtigen praktischen Punkt: Die Schadstoffe bleiben nicht zwangsläufig auf eine einzige Matrix beschränkt. Sie können vom Wachs ins Bienenbrot, in die Brut und je nach Molekül mitunter in den Honig übergehen oder von den Bienen selbst physisch verlagert werden. Das im Artikel aus Olszewski et al. übernommene Bild zeigt etwa, dass Bienen kleine Wachsfragmente an ihren Pollenkörbchen transportieren können.

Der Artikel stellt auch Dekontaminationsmethoden vor. Die Mischung aus Aktivkohle und Bleicherden kann bestimmte Rückstände wie Coumaphos oder Chlorfenvinphos stark verringern, scheint aber bei Tau-Fluvalinat weniger wirksam zu sein. Lösungsmittelverfahren, insbesondere mit Methanol, können mehrere getestete Rückstände stark vermindern, erfordern jedoch entsprechende Ausrüstung und kontrollierte Bedingungen. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Bienenstand übertragen.

Interpretation. Die zentrale Botschaft lautet, dass das Wachs nicht nur ein Baumaterial ist. Es ist auch ein chemisches Gedächtnis des Bienenvolks, des Bienenstands und seiner Umgebung. Das Recycling kann daher alte Rückstände wieder in die Bienenstöcke einbringen, selbst wenn die heutigen Praktiken vorsichtiger sind.

3. Kritische Betrachtung

Die Übersicht ist für die Praxis nützlich, muss aber so gelesen werden, dass zwischen dem Vorhandensein von Rückständen, der tatsächlichen Exposition und einer nachgewiesenen biologischen Wirkung klar unterschieden wird.

Stärken. Der Artikel macht ein oft technisches Thema zugänglich. Er verbindet klar die chemischen Eigenschaften des Wachses, die Praxis der Varroabehandlung, das Recycling der Wachse und die Risiken einer Wiedereinbringung von Rückständen. Er vermeidet zudem einen häufigen Fehler: anzunehmen, das Wachs sei ein neutraler Stoff, sobald es eingeschmolzen oder gefiltert wurde.

Grenzen. Der Text fasst Studien aus unterschiedlichen Kontexten zusammen. Die belgischen, spanischen oder amerikanischen Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf den schweizerischen Bienenstand übertragen. Die verwendeten Produkte, die Recyclingpraktiken, die Hygienevorschriften und das landwirtschaftliche Umfeld unterscheiden sich stark. Ein in einer Studie stark belastetes Wachs steht daher nicht automatisch für die durchschnittliche Situation eines schweizerischen Bienenstands.

Mögliche Verzerrungen und Störfaktoren. Die im Wachs gefundenen Rückstände können aus aktuellen Imkereibehandlungen, aus früheren Behandlungen, aus importierten Wachsen, aus dem gemeinschaftlichen Recycling, aus über den Pollen eingetragenen landwirtschaftlichen Pestiziden oder aus diffuseren Umweltkontaminationen stammen. Ohne feine Rückverfolgbarkeit ist es schwierig, jedem Stoff eine genaue Quelle zuzuordnen.

Was sich nicht schliessen lässt. Der Nachweis eines Rückstands belegt für sich allein keinen Schaden am Bienenvolk. Zu berücksichtigen sind die Konzentration, die Toxizität des Stoffes, der Expositionsweg, die Expositionsdauer, das betroffene Stadium – Larve, Puppe, adultes Tier – und mögliche Mischungseffekte. Insbesondere sublethale Effekte bleiben schwieriger zu interpretieren als die akute Mortalität.

Grenzen der Übertragbarkeit auf den schweizerischen Bienenstand. In der Schweiz bevorzugen die aktuellen Empfehlungen Behandlungen mit geringerer Anreicherung im Wachs, namentlich die organischen Säuren. Das beseitigt das Problem nicht, denn handelsübliche oder recycelte Wachse können die Spuren früherer Anwendungen bewahren. Aber es relativiert die Vorstellung einer in allen europäischen Ländern vergleichbaren Belastung.

4. Was verwandte Studien zeigen

Die verwandten Studien bestätigen die Bedeutung des Wachses als Rückstandsreservoir, wobei die schweizerischen Daten besonders nützlich sind, um eine überzogene Übertragung zu vermeiden.

Schweizer Kontext. Kast, Kilchenmann und Charrière haben über fast drei Jahrzehnte die Rückstände lipophiler Akarizide in den handelsüblichen Schweizer Wachsen verfolgt. Ihre Studie zeigt, dass Stoffe wie Bromopropylat oder Tau-Fluvalinat noch lange nach ihrer Aufgabe nachweisbar bleiben können. Sie weist auch auf eine jüngste Verbesserung hin, die mit dem vermehrten Einsatz hydrophilerer Wirkstoffe gegen Varroa zusammenhängt, die sich kaum im Wachs anreichern.

Marti, Kilchenmann und Kast analysierten 2019 handelsübliche Mittelwände von Schweizer Herstellern. Mehrere Rückstände wurden gefunden, mit einem bedeutenden Anteil an Coumaphos und Tau-Fluvalinat, aber auch an Piperonylbutoxid und DEET. Diese Studie ist für die schweizerische Praxis sehr relevant: Sie zeigt, dass das Problem nicht nur die alten Waben des Bienenstands betrifft, sondern auch den Handelskreislauf der Mittelwände.

Kast, Müller und Fracheboud ergänzten dieses Bild, indem sie den zeitlichen Eintrag von Pestiziden über den Pollen in Schweizer Völker untersuchten. In fünf Völkern in landwirtschaftlicher Umgebung wurden mehrere im Pollen nachgewiesene Pestizide anschliessend im Wachs quantifiziert, vor allem die lipophilen Moleküle. Diese Studie stützt die Vorstellung, dass das Wachs sowohl die imkerlichen Praktiken als auch die Umgebung des Bienenstands widerspiegelt.

Übergang in andere Matrizes. Morales et al. untersuchten die Verteilung chemischer Rückstände in mehreren Bereichen des Bienenstocks. Ihre Ergebnisse stützen die Vorstellung, dass die im Wachs vorhandenen Schadstoffe zur Belastung von Bienenbrot und Brut beitragen können. Diese Beobachtung ist für die Praxis wichtig: Das Risiko beschränkt sich nicht auf das Wachs als Produkt, sondern betrifft das Entwicklungsumfeld der Larven.

Risikobewertung. Wilmart et al. schlugen Expositionsszenarien ausgehend von belastetem Wachs vor: direkter Kontakt der Larven mit dem Wachs, Aufnahme kontaminierter Larvennahrung und mögliche Aufnahme durch die adulten Bienen bei der Wachsbearbeitung. Dieser Ansatz ist nützlich, muss aber mit Vorsicht angewendet werden, ohne vorläufige Grenzwerte in regulatorische Schwellenwerte umzuwandeln, die direkt auf jeden einzelnen Bienenstand anwendbar wären.

Auswirkungen auf die Brut. Kast, Droz und Kilchenmann untersuchten die Toxizität von Coumaphos in Mittelwandplatten. Die verfügbare Zusammenfassung gibt an, dass hohe Coumaphos-Gehalte das Schlüpfen der Brut verringern können, während niedrigere Gehalte in ihrem Versuchsaufbau nicht denselben Effekt zeigten. Die genauen Werte und die Bedingungen des Protokolls müssen im Volltext überprüft werden, bevor daraus praktische Schwellenwerte für den Bienenstand abgeleitet werden.

Dekontamination. Die Arbeiten von Luna et al. zur Methanolextraktion und jene von Navarro-Hortal et al. zu einem industriellen Adsorptionsverfahren zeigen, dass sich bestimmte Rückstände durch kontrollierte Verfahren stark verringern lassen. Diese Methoden entsprechen jedoch nicht einem einfachen Einschmelzen des Wachses am Bienenstand. Sie erfordern Ausrüstung, Lösungsmittel oder Adsorbentien sowie eine Entsorgung der kontaminierten Abfälle.

Schweizer Kontext

Und in der Schweiz? Zulassung, Empfehlung und Umgang mit Rückständen

Die BGD/ZBF-Liste der in der Imkerei eingesetzten Substanzen empfiehlt für die Varroabekämpfung die Präparate auf der Basis von Ameisensäure und Oxalsäure. Thymol ist darin mit Vorbehalt aufgeführt, namentlich bei geringem Befall.

Flumethrin erscheint in Form von Bayvarol in der Liste als zugelassenes Arzneimittel, wird von BGD/ZBF in der Version 11.2023 jedoch nicht empfohlen. Diese Unterscheidung ist wichtig: Ein Produkt kann zugelassen sein, ohne aus Sicht eines nachhaltigen Umgangs mit Rückständen die erste Wahl zu sein. Der aktuelle Stand der Zulassungen und Empfehlungen muss vor jeder Anwendung stets überprüft werden.

Praxistipp

Einschmelzen, Sterilisation und Dekontamination: nicht verwechseln

Das Einschmelzen des Wachses erlaubt es, sichtbare Verunreinigungen abzutrennen und das Recycling zu erleichtern. Eine thermische Sterilisation zielt in erster Linie auf die hygienische Sicherheit ab. Eine chemische Dekontamination hingegen erfordert andere, mit Lösungsmitteln oder Adsorbentien getestete Verfahren.

Selbst wenn ein Wachs in einem Sterilisationsverfahren auf hohe Temperaturen erhitzt wird, darf dies nicht als nachgewiesene Methode zur Beseitigung lipophiler Akarizide oder Pestizide dargestellt werden. Der Wert von 120 °C, der bisweilen für die Sterilisation des Wachses genannt wird, sollte durch eine zuverlässige technische Quelle belegt werden, bevor er als praktischer Richtwert verwendet wird.

5. Was bedeutet das für den Bienenstand?

Am Bienenstand bleibt die Vorbeugung realistischer als die Sanierung: Der beste Hebel besteht darin, Herkunft, Verwendung und Recycling des Wachses zu beherrschen.

  • Rückverfolgbares Wachs bevorzugen, idealerweise aus dem eigenen Kreislauf oder einem gut kontrollierten kurzen Kreislauf, vor allem für Wachs, das für die Brut, für Jungvölker und für die Königinnenzucht bestimmt ist.
  • Die saubersten Wachse – gut nachverfolgte Abdeckelungs- und Honigraumwachse – den empfindlichen Verwendungen vorbehalten und es vermeiden, alte Brutraumwachse wieder in den Kreislauf der Mittelwände zu geben.
  • Schwarze, vergorene oder schimmlige Wachse sowie Wachse unsicherer Herkunft aus dem imkerlichen Kreislauf entfernen: Ihr Einschmelzen verbessert das Aussehen des Wachses, genügt aber nicht, um die angereicherten lipophilen Rückstände zu beseitigen.
  • Einschmelzen, Sterilisation und Dekontamination nicht verwechseln: Eine thermische Behandlung kann auf die hygienische Sanierung abzielen, genügt aber nicht, um die Beseitigung der im Wachs angereicherten Pestizide oder Akarizide zu belegen.
  • Für die Varroabekämpfung in der Schweiz auf die aktualisierten Empfehlungen des Bienengesundheitsdienstes und des Zentrums für Bienenforschung abstützen: Ameisensäure und Oxalsäure sind die zentralen Optionen, Thymol erfordert je nach Befall Vorsicht, und nicht empfohlene synthetische Produkte sind zu vermeiden, wenn das Ziel darin besteht, die Anreicherung im Wachs zu begrenzen.

Die Originalstudie lesen

Kievits, J. (2024). Identifier et gérer les polluants de la cire. La Santé de l’Abeille, Nr. 322, Juli–August 2024, S. 85–96. Direkter Link zum Originalartikel: [ZU PRÜFEN].

Weiterführendes auf ApiSavoir

Literaturverzeichnis

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Autor
Janine Kievitz
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