Pollenverbrauch und Entwicklung des Bienenvolkes

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Pollen ist für die Brutaufzucht und für den Massenwechsel der Arbeiterinnen unentbehrlich. Seine Rolle lässt sich jedoch weder auf einen Proteinanteil noch auf die Zahl der am Flugloch beobachteten Höschen reduzieren. Um die Versorgung eines Volkes zu beurteilen, sind die verfügbare Menge, die Zusammensetzung der Pollen, ihre gegenseitige Ergänzung und die Kontinuität des Eintrags gemeinsam zu betrachten.
1. Vom Pollen zur Brutaufzucht
Nektar und Honig liefern hauptsächlich Kohlenhydrate, also Energie. Pollen bringt vor allem die Proteine und die unentbehrlichen Aminosäuren, daneben aber auch Lipide, Fettsäuren, Sterole sowie zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Diese Ressourcen ergänzen einander: Der Überfluss der einen gleicht das Fehlen der anderen nicht zwangsläufig aus.
Die Flugbienen sammeln die Körner an ihrem Körper, befeuchten sie mit Nektar und Sekreten und transportieren sie anschliessend als Höschen in den Körbchen ihrer Hinterbeine. Im Stock legen sie diese Höschen in Zellen ab, wo der Pollen festgestampft, mit Zuckersubstanzen vermischt und angesäuert wird. Das eingelagerte Produkt wird Bienenbrot genannt.
Diese Umwandlung dient vor allem der Konservierung. Die verfügbaren Daten belegen weder eine einheitliche und anhaltende «Milchsäuregärung» noch eine allgemeine Nährstoffanreicherung noch eine systematische Verbesserung der Verdaulichkeit des eingelagerten Pollens (Anderson et al., 2014).
Pollen wird hauptsächlich von den jungen Arbeiterinnen verzehrt. Er unterstützt die Entwicklung ihrer Hypopharynxdrüsen, ihres Fettkörpers und ihrer physiologischen Reserven. Die Ammenbienen wandeln anschliessend einen Teil dieser Nährstoffe in Futtersaft um, der an die Larven, die Königin und weitere adulte Bienen abgegeben wird. Die Brut hängt somit stark vom Pollen ab, obwohl sie selbst nur geringe Mengen direkt aufnimmt.
Ein länger andauernder Entzug beeinträchtigt die Physiologie der Ammenbienen, vermindert die Fähigkeit zur Brutaufzucht und kann einige Wochen später die Zahl der verfügbaren Arbeiterinnen verringern. Er beeinflusst auch die Lebensdauer sowie bestimmte Immun- und Entgiftungsmechanismen. Eine gute Ernährung stärkt die Abwehrkräfte des Volkes, ersetzt aber weder die Bekämpfung von Varroa noch die Diagnose und Behandlung von Krankheiten.
2. Menge, Qualität, Vielfalt und Kontinuität
Nicht alle Pollen weisen dieselbe Zusammensetzung auf. Ihr Wert hängt insbesondere vom Gehalt und vom Profil der unentbehrlichen Aminosäuren, von den Lipiden und Sterolen, von der Verdaulichkeit, von der verzehrten Menge und von den physiologischen Bedürfnissen der Bienen ab. Ein rohproteinreicher Pollen kann daher unausgewogen bleiben, während zwei Pollen mit gleichem Proteingehalt unterschiedliche biologische Wirkungen entfalten können.
Eine vielfältige Flora erhöht die Möglichkeiten zur gegenseitigen Ergänzung und verringert die Abhängigkeit von einer einzigen Pflanze. Sie gewährleistet jedoch weder eine ausreichende Menge noch das Vorhandensein aller notwendigen Nährstoffe. Umgekehrt ist ein vorübergehend dominierender Pollen nicht automatisch defizitär, wenn seine Zusammensetzung den Bedarf deckt und andere Ressourcen anschliessend übernehmen (Di Pasquale et al., 2013).
Das Risiko von Landschaften, die von wenigen Kulturen geprägt sind, liegt somit weniger im Wort «Monokultur» als in drei möglichen Situationen: einer reichlichen, aber ernährungsphysiologisch unzureichenden Quelle, einer erhöhten Exposition gegenüber bestimmten Rückständen oder einem abrupten Abbruch nach dem Ende der Blüte. Die Kontinuität der Ressourcen im Verlauf der Saison zählt ebenso viel wie ihre Vielfalt zu einem bestimmten Zeitpunkt.
3. Den Polleneintrag beobachten, ohne ihn überzuinterpretieren
Der Eintrag von Höschen am Flugloch bestätigt, dass Flugbienen Pollen finden und dass das Volk zu diesem Zeitpunkt Pollen sammelt. Er misst jedoch weder die Intensität der Tracht, die vor allem den Nektareintrag betrifft, noch die Nährstoffqualität der Höschen, noch unmittelbar die Intensität der Eilage.
Offene Brut erhöht in der Regel den Bedarf und regt das Sammeln an. Der beobachtete Fluss hängt aber auch vom Wetter, von der Tageszeit, von den erreichbaren Blühangeboten, von der Zahl der Flugbienen, von den vorhandenen Vorräten und von der Konkurrenz zwischen den Völkern ab. Ein vorübergehender Rückgang belegt daher weder einen Mangel noch ein gesundheitliches Problem.
Die in den Zellen sichtbare Pollenmenge ist mit derselben Vorsicht zu interpretieren. Ein kleiner Vorrat kann einem frischen, rasch verbrauchten Eintrag entsprechen, einer tatsächlichen Knappheit oder im Gegenteil einem geringen Bedarf, weil das Volk wenig Brut aufzieht. Ein reichlicher Vorrat kann alt sein, wenig genutzt werden oder von unbekannter Qualität sein.
4. Was tun bei wahrscheinlicher Knappheit?
- Den Kontext prüfen. Mehrere günstige Flugtage, die offene Brut, die Vorräte und die tatsächlich erreichbaren Blühangebote beobachten. Der Vergleich der Völker erlaubt es, ein allgemeines Problem des Bienenstandes leichter von einer Störung eines einzelnen Volkes zu unterscheiden.
- Wenn möglich zuerst an der Ursache ansetzen. Ist das Blütenangebot dauerhaft ungenügend, sind die Wahl des Standortes, das Verstellen der Völker oder die Anpassung der Völkerzahl an die Ressourcen des Umfelds folgerichtiger als eine wiederholte Ergänzungsfütterung.
- Die Eiweissergänzung gezielten Situationen vorbehalten. Ein Eiweissteig kann helfen, eine vorübergehende Lücke zu überbrücken, doch kein Ersatzprodukt hat nachgewiesen, dass es sämtliche Funktionen eines geeigneten Pollens allgemein nachbildet. Dass ein Produkt aufgenommen wird oder die Brut vorübergehend stimuliert, beweist seine ernährungsphysiologische Gleichwertigkeit nicht.
- Keinen Bedarf anregen, der nicht gedeckt werden kann. Die Brutaufzucht zu fördern, während der Eintrag erneut abbrechen wird, kann das Problem in die folgenden Wochen verschieben. Eine Ergänzungsfütterung sollte daher zeitlich begrenzt, unter strenger Hygiene verabreicht und anhand der Gesamtentwicklung des Volkes beurteilt werden.
- Ernährung und Gesundheit nicht voneinander trennen. Am Ende der Saison trägt eine angemessene Pollenversorgung zum Aufbau der physiologischen Reserven der künftigen Winterbienen bei. Ihr Nutzen bleibt jedoch begrenzt, wenn der Druck durch Varroa und Viren nicht zum richtigen Zeitpunkt beherrscht wird.
Das Umhängen von Pollenwaben aus einem kranken Volk oder unsicherer Herkunft ist zu vermeiden. Eingelagerter Pollen kann Rückstände oder Krankheitserreger übertragen, und das Einfrieren stellt keine Desinfektion dar.
5. Das Wichtigste in Kürze
- Pollen ernährt vor allem die jungen Arbeiterinnen, die seine Nährstoffe in Form von Futtersaft an die Brut weitergeben.
- Bienenbrot ist in erster Linie ein aufbereiteter und konservierter Pollen, kein durch Gärung systematisch angereicherter Pollen.
- Menge, Zusammensetzung, Vielfalt und Kontinuität des Eintrags sind auseinanderzuhalten.
- Weder die am Flugloch beobachteten Höschen noch die Fläche des eingelagerten Pollens genügen, um den Ernährungszustand zu diagnostizieren.
- Die Eiweissergänzung kann eine vorübergehende Lücke auffangen, ersetzt aber ein angemessenes Blütenangebot nicht dauerhaft.
- Eine gute Ernährung stärkt die Widerstandsfähigkeit des Volkes; sie gleicht eine mangelhafte Varroabekämpfung oder eine Krankheit nicht aus.
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Literatur
- Anderson, K. E., Carroll, M. J., Sheehan, T., Mott, B. M., Maes, P., & Corby-Harris, V. (2014). Hive-stored pollen of honey bees: Many lines of evidence are consistent with pollen preservation, not nutrient conversion. Molecular Ecology, 23(23), 5904–5917. https://doi.org/10.1111/mec.12966
- Brodschneider, R., & Crailsheim, K. (2010). Nutrition and health in honey bees. Apidologie, 41, 278–294. https://doi.org/10.1051/apido/2010012
- Di Pasquale, G., Alaux, C., Le Conte, Y., Odoux, J.-F., Pioz, M., Vaissière, B. E., Belzunces, L. P., & Decourtye, A. (2016). Variations in the availability of pollen resources affect honey bee health. PLOS ONE, 11(9), e0162818. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0162818
- Di Pasquale, G., Salignon, M., Le Conte, Y., Belzunces, L. P., Decourtye, A., Kretzschmar, A., Suchail, S., Brunet, J.-L., & Alaux, C. (2013). Influence of pollen nutrition on honey bee health: Do pollen quality and diversity matter? PLOS ONE, 8(8), e72016. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0072016
- Requier, F., Odoux, J.-F., Henry, M., & Bretagnolle, V. (2017). The carry-over effects of pollen shortage decrease the survival of honeybee colonies in farmlands. Journal of Applied Ecology, 54(4), 1161–1170. https://doi.org/10.1111/1365-2664.12836
- Wright, G. A., Nicolson, S. W., & Shafir, S. (2018). Nutritional physiology and ecology of honey bees. Annual Review of Entomology, 63, 327–344. https://doi.org/10.1146/annurev-ento-020117-043423

