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Drohnen – ein unverzichtbarer Luxus …

Drohnen aufziehen oder nicht aufziehen – diese Frage stellt sich unseren Bienen mit der Rückkehr der warmen Jahreszeit. In einem Volk sind die Männchen tatsächlich ein Luxus: Ihre Aufzucht ist deutlich kostenintensiver als jene der Arbeiterinnen. Und der Aufwand endet nicht mit dem Schlupf: Als erwachsene Drohnen bleiben sie größtenteils auf Kosten ihrer Schwestern. Hinzu kommt, dass sie nichts zur Sammelarbeit beitragen und kaum zur Instandhaltung des Bienenstocks. Doch dieser Luxus ist notwendig: Die einzige Aufgabe der Männchen, die Weitergabe der Gene, steht im Zentrum des biologischen Sinns des Lebens. Die Chancen auf Fortpflanzung zu maximieren und zugleich die Überlebenschancen zu erhalten – dieser feinen Balance, zu der sowohl die Königin als auch ihre Arbeiterinnen beitragen, möchten wir uns heute widmen.

Faux-bourdons – ein unverzichtbarer Luxus der Honigbienen

Der Artikel analysiert die Rolle der Drohnen (Faux-bourdons) im Spannungsfeld zwischen biologischer Notwendigkeit und hohem energetischem Aufwand. Drohnen tragen nicht zur Brutpflege, zum Wabenbau oder zur Tracht bei und sind vollständig auf die Versorgung durch Arbeiterinnen angewiesen. Dennoch sind sie für die Reproduktion der Kolonie unverzichtbar, da ihre einzige Funktion die Weitergabe der Gene ist.

Die Konkurrenz bei der Begattung ist extrem: Auf Drohnensammelplätzen kann eine einzige Jungkönigin auf bis zu 20 000 Drohnen treffen. Nur wenige Männchen kommen tatsächlich zur Kopulation, die für sie stets tödlich endet. Entsprechend stark ist die Selektion auf leistungsfähige Drohnen. Diese besitzen große, zusammenstoßende Augen mit UV- und Blauempfindlichkeit, verlängerte Antennen, kräftige Flugmuskulatur und hochentwickelte Geschlechtsorgane. Größe und Körpermasse sind direkt mit der produzierten Spermienmenge verknüpft.

Diese Leistungsfähigkeit hat ihren Preis. Drohnenlarven benötigen nahezu doppelt so viel Zucker und mehr als doppelt so viel Pollen wie Arbeiterinnenlarven und erreichen ein deutlich höheres Endgewicht. Erwachsene Drohnen sind kaum selbständig ernährungsfähig: Ihr Verdauungssystem ist eingeschränkt, sie können Pollen nur sehr begrenzt verwerten und sind dauerhaft auf die Fütterung durch Ammenbienen angewiesen. Die Kolonie „verdaut“ somit kollektiv auch für ihre Männchen.

Experimentelle Arbeiten (u. a. Seeley) zeigen die ökonomischen Konsequenzen: Kolonien mit vielen Drohnen produzieren deutlich weniger Honig. Die Aufzucht und Erhaltung von 5 000–15 000 Drohnen kann 15–20 kg Honig pro Jahr kosten – durch direkten Verbrauch, geringere Arbeiterinnenzahl und energieintensive Begattungsflüge.

Entsprechend streng regulieren Bienenvölker ihre Drohnenproduktion. Sie ist stark abhängig von Ressourcenlage, Saison und Volksstärke. Bei Nahrungsmangel wird zuerst Drohnenbrut reduziert oder kannibalisiert. Arbeiterinnen erkennen männliche Larven bereits nach wenigen Tagen und eliminieren sie gezielt, wenn ein Überschuss besteht. Auch erwachsene Drohnen werden bei einsetzender Trachtlücke systematisch aus dem Volk entfernt.

Die Regulation erfolgt dezentral. Die Menge vorhandener Drohnenzellen beeinflusst maßgeblich, ob neue Zellen gebaut werden. Direkter Kontakt mit Drohnenzellen ist notwendig, um den Bau weiterer Zellen zu bremsen. Die Königin beteiligt sich nur begrenzt an dieser Steuerung; entscheidend sind Pflegeverhalten und Ressourcenbewertung der Arbeiterinnen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Kolonien ohne Königin (bourdonneuse). Diese tolerieren Drohnen deutlich länger und produzieren sogar kleine, aus Arbeiterinneneiern entstandene Männchen. Obwohl kleiner, sind diese genetisch funktionsfähig und können in Spätsaisonen zur Weitergabe wertvoller Gene beitragen – ein potenzieller Nutzen für Züchter.

Fazit: Drohnen sind kein überflüssiger Ballast, sondern ein gezielt regulierter, kostspieliger, aber biologisch unverzichtbarer Bestandteil der Kolonie. Für Imker bedeutet dies: Drohnenproduktion sollte weder vollständig unterdrückt noch unkontrolliert gefördert werden, sondern bewusst gelenkt – insbesondere im Kontext von Zucht, Varroamanagement und Trachtverhältnissen.
 

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Autor
Janine Kievits
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