iManagement

Die 10 Fehler, die man in der Imkerei vermeiden sollte

Zahlreiche im Internet verfügbare Artikel geben wertvolle Hinweise zur Betreuung unserer Bienenvölker. Es ist jedoch manchmal sinnvoll, zu eher grundlegenden, aber vom gesunden Menschenverstand geprägten Prinzipien zurückzukehren. Die «zehn Fehler, die man vermeiden sollte» dienen als Vorwand, die Neugier von Imkerinnen und Imkern in der Anfangsphase zu wecken oder die Reflexion erfahrener Kolleginnen und Kollegen anzuregen.

Zum Glück gibt es nicht nur zehn Fehler zu vermeiden … sonst wäre die Imkerei unerquicklich oder gar mühsam!

1. Nehmen wir uns die Zeit, die Bedeutung der Wörter zu lernen : Das ermöglicht es uns, ohne das Risiko unliebsamer Fehler miteinander zu kommunizieren

Eine Beute ist zum Beispiel ein Behälter, dessen Form, Volumen und Baumaterialien sehr unterschiedlich sein können. Die Beute ist also eine Unterkunft, in der ein Bienenvolk untergebracht wird, und nicht selbst ein Bienenvolk oder ein Schwarm. Eine Beute kann daher verschwinden (im Fall eines Diebstahls), sie kann aber nicht sterben !

Ein Bienenvolk besteht aus einer Königin, zahlreichen Arbeiterinnen, Männchen, mehr oder weniger kompakter/offener/verdeckelter Brut und Futter. Im Gegensatz dazu umfasst ein Schwarm, ob natürlich oder künstlich, eine Königin, Arbeiterinnen und meistens Männchen … aber keine Brut und kein Futter, da diese Bienengruppe ihre Beute freiwillig oder unfreiwillig verlassen hat …

Das Wort nucleus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet «Kern» oder «Herz». Man könnte sich darauf einigen und künftig einfach von einem «Nuc» zu sprechen.

Den Zellkern kennt man gut, mit seinem genetischen Erbe, das in Chromatin/Chromosomen enthalten ist. Der Nucleus ist in der Imkerei der Kern eines Volks : eine Königin, Ammenbienen, ein Brutnest und einige Futterreserven. Dieser Kern ist aktiv, braucht aber häufig einen kleinen Fütterungsimpuls durch den Imker, um zu wachsen und ein künftiges autonomes Wirtschaftsvolk zu bilden.

Die «Geburt» einer Biene ist vermutlich ein missverständlicher Begriff. Man sagt, dass ein Ei schlüpft, wenn daraus die ganz junge Larve hervorgeht, und dass eine Biene schlüpft, wenn die Metamorphose der Nymphe abgeschlossen ist und die Imago ihre Zelle verlässt. Das mag etwas pedantisch wirken, doch wenn sich der Imker an die Königinnenzucht macht, ist das Zählen der Tage seit der Eiablage, dem Schlüpfen oder dem Schlupf der Biene ausserordentlich wichtig, um die genauen Schritte des Zuchtkalenders nicht zu verpassen.

Es gibt viele weitere Beispiele für Terminologie, die auf abwegige Weise verwendet wird : Nektar, Honigtau, Trachtpflanze, Weiselzelle dieses oder jenes Typs, Larve, Nymphe, Milbe, Ruhr, Nosemose ...

2. Nicht glauben, dass man es weiss : Das ermöglicht es, auf dem Laufenden zu bleiben

Nur weil der Imker « L’apiculture, une fascination » gelesen oder die Videokonferenzen vom letzten Mittwoch des Monats verfolgt hat, wird er noch nicht den Geruch einer Tracht oder den Gesang der Königin erkennen. Eines ist sicher : Die Imker, die im ersten Jahr Einführungskurse besuchen, sind diejenigen, die am wenigsten wissen. Aber sie sind auch diejenigen, die am meisten lernen, die am meisten Fragen stellen, die am meisten Kenntnisse erwerben, weil sie lesen, an didaktischen Treffen teilnehmen, für jede Information offen sind und dankbar für die Weitergabe des Wissens. Die Kollegen, die meinen, am meisten zu wissen, sind jene der folgenden Jahre : Auf jede Frage haben sie eine Antwort;  zu jeder Meinung bieten sie Ihnen ihre eigene an;  sie lesen nicht mehr, weil sie es selbst schreiben könnten;  sie hören nicht mehr zu, weil sie es selbst vortragen könnten … Ab dem 4. Jahr gerät das Wissen ins Wanken, die Kenntnisse werden unsicher, der Zweifel setzt ein : Die Imkerei wird komplex, und auf Fragen folgen fragende Antworten … «das hängt von … ab, das könnte das Ergebnis mehrerer Faktoren sein, neuere Studien würden zeigen, dass …». Erfahrene Imker betrachten Probleme als immer komplexer und Antworten als immer vielfältiger und forschungsbedürftiger. Je mehr die Kenntnisse wachsen, desto weniger haben kompetente Kollegen den Eindruck, alles zu wissen. Nach diesem « Wellental » muss man wahres Wissen aufbauen und das Selbstvertrauen, das mit der Entdeckung der Demut gegenüber der Wissenschaft langsam zurückkehrt.

 

   
Dunning-Kruger-Effekt: Der Dunning-Kruger-Effekt, auch Overconfidence-Effekt genannt, ist ein kognitiver Bias, bei dem die in einem Bereich am wenigsten Qualifizierten ihre Kompetenz überschätzen könnten. Er lässt sich mit dem Ultrakrepidarianismus in Verbindung bringen.    

3. Einfache Aufgaben nicht unnötig verkomplizieren : Das ermöglicht es, zum Wesentlichen zu kommen.

Auf die Frage « Wie häufig sollte man ein Volk vor der Durchsicht einräuchern? » muss die Antwort lauten « wenn es nötig ist ! » und nicht etwa « ich verwende nur Sprays mit destilliertem Wasser ..., ätherische Öle …, Repellentien …». Die Entscheidung, ein Volk einzuräuchern oder nicht, hängt von zahlreichen Umständen ab : Zweck und Dauer der Durchsicht, Grösse der Population, Aggressivität der Linie, Mangel an Nektareintrag, Stress des Imkers, Uhrzeit der Durchsicht, Phase der Bienensaison, Wetter … Der erfahrene Imker hat immer einen brennenden Smoker in seiner Nähe. Er benutzt ihn, wenn er es für nötig hält, denn das Sprichwort sagt uns : «Wenn Sie nie Rauch verwenden, sind Sie nicht wirklich ein Imker.» 

4. Einen anstehenden Eingriff nicht auf später verschieben

Als Imker haben wir im Verlauf der Bienensaison nur wenige wirklich unvermeidbare Eingriffe. Wenn ein Eingriff jedoch notwendig ist, muss er rechtzeitig erfolgen. Wird ein notwendiger Eingriff nicht rechtzeitig durchgeführt, kann er nutzlos werden. Wenn beispielsweise eine dringende Varroabehandlung verschoben wird, überlebt das Volk womöglich nicht … Wenn ein hungerndes Volk nicht rasch gefüttert wird, kann es verhungern … Wenn einem ausgeraubten Volk nicht geholfen wird, verschwindet es in den folgenden Tagen … Wenn ein weiselloses Volk nicht betreut wird, kann es buckelbrütig werden und damit verloren sein …

5. Nicht annehmen, dass eine besetzte Beute immer von einem gesunden Volk besetzt ist

Man erinnert uns ständig daran, dass man die Aktivität am Flugloch beobachten müsse. Aktivität am Flugloch zu beobachten, ohne die Art dieser Aktivität genauer zu betrachten, hat keinerlei absoluten Aussagewert. Eine starke Aktivität kann auf Räuberei hindeuten, umso mehr, wenn Arbeiterinnen in chaotischer Weise um die Beute, unter dem Dachrand, unter der Varroaschublade oder zwischen Honigraum und Brutraum fliegen … Diese Beute muss sehr wahrscheinlich geöffnet und das Volk auf das zugrunde liegende Problem hin untersucht werden (defekte oder gar fehlende Königin …).

6. Nicht mit nur einem einzigen Volk in die Imkerei einsteigen

Ein Anfänger, der als Imker möglichst gute Erfolgschancen haben will, beginnt mit 3 Völkern. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass ein Volk bereits mehr als genug ist, wenn man noch alles lernen muss. Das Problem ist, dass man bei Schwierigkeiten mit seinem einzigen Volk keine Möglichkeit hat, die Lösung in einem anderen Volk zu finden. Bei einer Kontrolle bemerkt man zum Beispiel, dass die Königin fehlt (vielleicht wurde sie bei der letzten Durchsicht versehentlich zerdrückt …) und dass weder offene Brut noch eine Nachschaffungszelle vorhanden ist. Die Lösung ist einfach : Man muss eine Ersatzkönigin in Eiablage oder offene Brut zusetzen, auf der das weisellose Volk eine neue Königin aufziehen kann. Hat man nur ein einziges Volk am Bienenstand, muss man den Zuchtberater oder den lokalen Bienenberater um Hilfe bitten. Hat man 3 Völker am Bienenstand, ist man autonom und entnimmt die Königin oder eine Brutwabe mit frischer Brut aus dem Nachbarvolk. Jeder ehrliche Banker wird Ihnen sagen, dass man seine Anlagen diversifizieren und nicht alle Eier in denselben Korb legen soll …

7. Völker füttern ?

Viele Imker mit einer naturverbundenen Ausrichtung wären versucht, ihre Völker kategorisch nicht zu füttern. Während dieser Ansatz für Wirtschaftsvölker während der Trachtzeit angemessen sein kann, kann es bei anderen Völkern ganz anders aussehen. Typischerweise verfügen neu gebildete Nuklei nicht über genügend Futterreserven, und die geringe Zahl an Flugbienen reicht nicht aus, um den Bedarf der Ammenbienen am Brutnest zu decken, das geheizt und versorgt werden muss. Ohne die Hilfe des Imkers, der regelmässig kleine Mengen Sirup gibt, könnte dieser Nucleus verkümmern und sehr lange brauchen, bis er eine Population von 20'000 Individuen erreicht, die ihm eine problemlose Überwinterung ermöglicht. Ein anderes Problem kann am Ende des Winters auftreten, wenn die Königin eines schönen Volks mit der Eiablage begonnen hat und im Februar/März eine Kälteperiode zurückkehrt. Dieses Volk wird seinen Vorratsverbrauch verzehnfachen, um die Brut auf 34°C zu halten, und könnte pro Woche ein Kilogramm Honig benötigen. Wenn die Vorräte etwas knapp sind, etwa im Gebirge, könnte das Volk ausserstande sein, eine optimale Homöothermie aufrechtzuerhalten, die Brut könnte auskühlen und aufgegeben werden und damit zu einer Quelle infektiöser Krankheiten werden. Das hungernde Volk könnte an Kälte sterben.

8. Bei der Durchsicht eines Volks immer nach Anzeichen suchen, die das Vorhandensein einer Königin bestätigen

Bei der Beobachtung am Flugloch sieht man die geordnete Aktivität von Pollen sammelnden Flugbienen, Wasser- oder Nektarträgerinnen und Wächterinnen. Sobald das Deckbrett angehoben wird, hört man das diskrete Summen der Arbeiterinnen;  man kann die Population und die Zahl der besetzten Rähmchen im Vergleich zur letzten Durchsicht einschätzen. Dennoch müssen die Brutwaben auf einzelne Eier oder junge Larven hin untersucht werden, als unbestreitbares Zeichen für das Vorhandensein einer Königin. Wenn der Imker Zeit und Erfahrung hat, sucht er die Königin selbst, um sich zu vergewissern, dass sie wie bei der letzten Durchsicht gezeichnet ist und nicht umgeweiselt wurde. Wird das Vorhandensein einer Königin nicht (direkt oder indirekt) geprüft, kann man ein weiselloses oder sogar buckelbrütiges Volk übersehen, das zum Verschwinden verurteilt ist – früher oder später.

9. Sich niemals einreden, dass die eigenen Varroen unter Kontrolle seien !

Oft hört man:  «Ich habe in letzter Zeit keinen natürlichen Milbenfall beobachtet» … «keinen oder nur wenig Milbenfall nach meiner Behandlung» … «die Ernte war ausgezeichnet und mein Volk ist in guter Verfassung, ich werde später behandeln» … «ich habe mit Varroa nicht allzu viele Probleme» …

Varroa ist immer ein Problem ! Die beste Art, sich davon zu überzeugen, ist, die Beziehung zwischen der Dynamik der Bienen/Brut und jener von Varroa gut zu verstehen, denn beide sind eng miteinander verknüpft. Man sollte sich daran erinnern, dass sich 90% der Varroen in der verdeckelten Brut vermehren;  sie sind also unsichtbar. Die restlichen 10% befinden sich auf den Bienen und verbreiten sich durch Verflug, Räuberei oder Wirtswechsel in die umliegenden Beuten … Ein Volk, das während der ganzen Saison viel Brut aufgezogen und einen reichlichen Ertrag ermöglicht hat, ist von einem höheren Varroabefall bedroht als ein Mitte Juli aus den Bienen der Honigräume gebildeter Nuc.  Das starke Wirtschaftsvolk hat ein höheres Risiko, im Spätherbst zusammenzubrechen, als der auf neuen Mittelwänden aufgebaute Nuc, der ausserhalb der Brut mit Oxalsäure behandelt und von einem vorausschauenden Imker reichlich gefüttert wurde.

 

   
Foto: Serge Imboden    

10. Man sollte ein Volk nicht nur aus Vergnügen durchsehen

Das Volk wird durch eine Durchsicht immer gestört. Der Imker versetzt die Bienen in Stress, bricht Propolisabdichtungen auf, stört die Ordnung der Rähmchen, verletzt/tötet einige Arbeiterinnen, kühlt den Innenraum/die Brut aus und impft eventuell Keime aus anderen Völkern ein … Man sollte sein Volk daher mit einem klaren Ziel durchsehen, zum Beispiel um die Volksstärke zu beurteilen, das Vorhandensein der Königin nach einer Zusetzung zu kontrollieren, Einträge oder Vorräte zu schätzen oder zusätzliche Rähmchen einzuhängen, um das für Eiablage oder Honigvorräte bestimmte Volumen zu vergrössern. Bei dieser Durchsicht sollten die Beobachtungen mit den Notizen der vorherigen Durchsicht in Beziehung gesetzt werden, um die Vitalität des Volks oder im Gegenteil Anzeichen einer Krankheit, einer Entwicklungsstagnation oder sogar eines beginnenden Zusammenbruchs einzuschätzen. Der sorgfältige Imker bereitet das Material vor, das er für diese Durchsicht benötigen wird;  er bereitet aber auch alles vor, was im Fall von Unvorhergesehenem nützlich sein könnte:  Farbe, wenn er auf eine umgeweiselte und ungezeichnete Königin trifft … einen sofort einsatzbereiten Ablegerkasten, wenn er ein zu starkes Volk teilen muss … eine Wabe mit Mittelwand oder einen Honigraum, wenn Platz für Eiablage oder Eintrag geschaffen werden muss … Futter, wenn das Volk hungert … usw. Aber wenn alles vorbereitet ist, gibt es immer noch Unvorhergesehenes:  verdeckelte Schwarmweiselzellen, ein Rähmchen, das zu Boden fällt, eine Königin, die auffliegt, ein Stich ins Augenlid … Dann muss man improvisieren und seine Pläne in aller Eile ändern. Die Imkerei ist entschieden keine exakte Wissenschaft, und genau das macht ihren Reiz aus ...

Glücklicherweise ist die obige Liste mit 10 Fehlern, die man nicht begehen sollte, nicht vollständig;  es gibt Dutzende weitere. Die Lektüre ausgewählter Artikel, die Treffen in den Kursen und die Gespräche am Bienenstand sind ebenso viele Gelegenheiten, Kniffe, Tricks, Anekdoten, Überraschungen und Fehler zu lernen und weiterzugeben … kurz all das, was Wissen und Können voranbringt.

 

Quellen:

17 costly beekeeping mistakes and how to avoid them - Honey Bee Suite

Siehe auch :

Die Qualitäten eines guten Imkers

Betriebsweise des Bienenstands : Betriebskonzept

Die integrierte Varroabekämpfung im Verlauf der Jahreszeiten

Zusetzen einer Königin : Voraussetzungen und Methoden

Autor
Claude Pfefferlé, www.ApiSion.ch
Zurück zur Übersicht